6 Jahre nach dem rassistischen Mordanschlag in Hanau: Erinnerung heißt Verantwortung – Rassismus entschieden entgegentreten


Am 19. Februar 2026 jährt sich der rassistische Mordanschlag von Hanau zum sechsten Mal. Neun Menschen wurden am 19. Februar 2020 aus rassistischen Motiven brutal ermordet: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Ein weiterer Schwerverletzter Ibrahim Akkuş starb im Januar 2026 an den Spätfolgen.

Ihre Morde stehen für die tödlichen Folgen eines gesellschaftlichen Klimas, in dem Rassismus und rechte Ideologien nicht entschieden genug bekämpft wurden.

Der Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) gedenkt den Ermordeten und steht solidarisch an der Seite der Hinterbliebenen. Hanau war kein Einzelfall – sondern Ausdruck eines strukturellen Problems.

„Sechs Jahre nach Hanau müssen wir feststellen, dass rassistische und rechtsextreme Narrative nicht nur fortbestehen, sondern zunehmend politisch normalisiert werden“, erklärt Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des TBB. „Besonders besorgniserregend ist, dass sich politische Diskurse immer stärker an Positionen orientieren, die ursprünglich vom rechten Rand gesetzt wurden.“

Der TBB kritisiert in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Bundesregierung. Anstatt sich klar und unmissverständlich gegen rassistische Stimmungsmache zu stellen, werden migrationspolitische Debatten zunehmend in einer Sprache geführt, die Narrative der Rechtsextremen aufgreift oder verschiebt.

„Wenn demokratische Parteien Forderungen übernehmen oder rhetorische Muster bedienen, die zuvor vom rechten Rand bedient und etabliert wurden, dann bedeutet das eine gefährliche Verschiebung des Sagbaren“, so Ayşe Demir weiter. „Wer glaubt, durch inhaltliche Annäherung an rechte Positionen Wähler:innen zurückzugewinnen, stärkt am Ende genau jene Kräfte, die unsere demokratischen Grundwerte infrage stellen.“

Der TBB betont, dass Rassismus nicht erst mit physischer Gewalt beginnt. Er zeigt sich in politischen Debatten, in pauschalen Zuschreibungen, in Generalverdacht gegenüber Menschen mit
Migrationsgeschichte und muslimischen Glaubens sowie in struktureller Benachteiligung im Alltag.

Sechs Jahre nach Hanau braucht es keine symbolischen Bekenntnisse, sondern eine konsequente Politik gegen Rassismus und Rechtsextremismus – in Sicherheitsbehörden, Bildungseinrichtungen, Parlamenten und im öffentlichen Diskurs. Demokratische Verantwortung bedeutet, Haltung zu zeigen und sich nicht von rechten Kräften treiben zu lassen.

Sechs Jahre nach Hanau gilt mehr denn je: Die Namen der Ermordeten dürfen nicht vergessen werden. Ihr Andenken verpflichtet uns, uns entschieden für eine offene, solidarische und vielfältige Gesellschaft einzusetzen und Rassismus mit allen rechtstaatlichen Mitteln zu bekämpfen.

#saytheirnames
In Gedenken an
Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov und İbrahim Akkuş.