Wohnungskrise trifft Menschen mit Migrationsgeschichte besonders hart!


Das aktuelle Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Integration und Migration bestätigt, was viele Menschen mit Migrationsgeschichte seit Jahren erleben: Der Zugang zu bezahlbarem und menschenwürdigem Wohnraum ist für sie besonders erschwert. Neueingewanderte leben häufiger in überbelegten Wohnungen, zahlen einen höheren Anteil ihres Einkommens für Miete und sind überdurchschnittlich von Wohnungslosigkeit betroffen.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sieht darin nicht nur eine soziale Schieflage, sondern auch ein partizipations- und gesellschaftspolitisches Versagen.

„Wohnen ist ein Grundrecht und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer auf dem Wohnungsmarkt systematisch benachteiligt wird, erlebt Ausgrenzung im Alltag“, erklärt Remzi Uyguner, Vorstandsmitglied des TBB.

Gerade in Ballungsräumen wie Berlin verschärfen steigende Mieten, fehlender sozialer Wohnungsbau und strukturelle Diskriminierung die Situation vieler migrantischer Familien. Menschen mit Einwanderungsgeschichte verfügen im Durchschnitt über weniger Wohnfläche und haben schlechtere Chancen auf Eigentum oder langfristig stabile Mietverhältnisse.

Der TBB fordert daher u.a. einen massiven Ausbau des sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbaus, wirksamere Maßnahmen gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, stärkeren Mieter*innenschutz und konsequente Begrenzung von Mietsteigerungen sowie gezielte Unterstützung für einkommensschwache Familien und Neueingewanderte.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat den TBB besucht


Am gestrigen Dienstag (12.05.2026) hat der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), den Türkischen Bund in Berlin Brandenburg (TBB) besucht. In einem gemeinsamen Rundgang in den Räumlichkeiten des TBB in der Oranienstraße 57 und in der Geschäftsstelle Oranienstraße 53 konnte der TBB dem Regierenden den überwiegenden Teil seiner Projekte vorstellen.

Anschließend hatte der Vorstand des TBB in einem offenen, intensiven und konstruktiven Gespräch die Gelegenheit, die Vereinsgeschichte darzulegen und sich mit dem Regierenden über die jeweiligen politischen Positionen und Erwartungen auszutauschen. Einigkeit herrschte schnell darüber, dass der stärker werdende Rechtsextremismus auch in Berlin eine ernstzunehmende Bedrohung ist und dass das gemeinsame Ziel ein friedliches Berlin ist, in dem niemand ausgegrenzt und der gesellschaftliche Zusammenhalt gewährleistet wird.

Weiterhin hat der TBB seine langjährige Forderung, durch ein Landesdemokratiefördergesetz die zivilgesellschaftlichen Organisationen im gemeinsamen Kampf gegen Rechtsextremismus auf eine solide gesetzliche Grundlage zu stellen, bekräftigt. Weitere Themen waren unter anderem die Schaffung vom bezahlbaren Wohnraum in Berlin, Sprachentwicklung der Kinder im Vorschulalter sowie der notwendige Bürokratieabbau bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen.

Der TBB bedankt sich bei dem Regierenden Bürgermeister von Berlin herzlich für den Besuch und den Austausch.


Die Bundesregierung hat Mut nur zu einem „AGG-Reförmchen“!

Zum gestrigen Beschluss der Bunderegierung zur Novelle des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) erklärt der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB):

Der gestrige Beschluss der Bundesregierung zur Novelle des AGG bleibt erheblich unter den Erwartungen der Expert:innen und der Zivilgesellschaft und berücksichtigt keineswegs den tatsächlichen Bedarf.

Seit Langem war eine umfassende Reform des AGG sichtbar und unverzichtbar.

Schon im Jahr 2016 hat die erste wissenschaftliche Evaluation des AGG einen erheblichen Reformbedarf festgestellt. Infos unter diesem Link

Die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung hat am 19.07.2023 den Reformbedarf mit konkreten Nachbesserungsvorschlägen bekräftigt. (Hier der Link zum Grundlagenpapier)

Das zivilgesellschaftliche „Bündnis AGG Reform jetzt“ hat am 18.09.2025 ebenfalls seine konkreten Forderungen veröffentlicht. (Hier zur Stellungnahme)

Trotzdem schafften die vorangegangenen Bundesregierungen immer wieder, die Stimmen der Expert:innen und der Zivilgesellschaft zu ignorieren, selbst dann, als die Reform in der Koalitionsvereinbarung stand.

Insofern hätte der gestrige Beschluss der Bundesregierung begrüßt werden können, wäre der Entwurf nicht so halbherzig, sondern grundlegend gewesen.

Die einzige positive Änderung im Entwurf ist der Schutz vor sexueller Belästigung auch im Zivilrechtsverkehr.

Alles andere bleibt hinter den subjektiven Erfordernissen. Nur einige Beispiele:

Die Verlängerung der zweimonatigen Frist für die Geltendmachung der Ansprüche gegenüber den Diskriminierungsverantwortlichen auf vier Monate ist keine echte Erleichterung der Rechtsdurchsetzung, sondern eine Augenwischerei. Angesichts des enormen strukturellen Ungleichgewichts zwischen den Betroffenen und den Verursachenden muss die Frist mindestens ein Jahr betragen.

Anstelle den Diskriminierungsschutz auf die Merkmale „Sozialer Status, Sprache, Staatsangehörigkeit, chronische Erkrankung, Körpergewicht und familiäre Fürsorgeverantwortung“ zu erweitern, begnügt der Regierungsentwurf damit, das Merkmal „Alter“ mit „Lebensalter“ zu präzisieren. Das ist lächerlich.

Entgegen den positiven Beispielen in Berlin und neulich auch in Rheinland-Pfalz fehlt der Schutz vor Diskriminierung durch staatliche Stellen im Regierungsentwurf ganz, als ob in den Behörden keine Diskriminierung stattfände oder als ob die Polizei alle Demonstrant:innen gleichbehandle!

Eine effektivere Rechtsdurchsetzung im Sinne der Betroffenen durch Verbandsklagen fehlt im Regierungsentwurf vollständig. Offensichtlich möchte die Bundesregierung einzelne Betroffene vor Gericht gegenüber mächtigen Arbeitgebern oder Wohnungskonzernen weiterhin allein lassen.

Die §§ 19.3. und 19.5 AGG, die einer legalen Diskriminierung Tür und Tor öffnen, bleiben in dem Regierungsentwurf stehen. Diese Bestimmungen lassen im Klartext in migrantisch geprägten Quartieren eine Diskriminierung zu sowie erlauben den Vermietenden eine Diskriminierung, wenn sie weniger als 50 Wohnungen besitzen bzw. verwalten.

Der Regierungsentwurf entspricht den politischen Positionierungen der Bundesfamilienministerin Prien, die keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber einer progressiven Antidiskriminierungspolitik macht, indem sie z.B. das erfolgreiche Programm Respektland gänzlich beendet und das Programm „Demokratie leben“ nach ihren konservativen Vorstellungen umzukrempeln versucht. Schade, dass die Bundesjustizministerin Dr. Hubig nicht mit progressiven Ideen aufwarten konnte.

Der TBB mit seinen vier Antidiskriminierungsprojekten erwartet von den demokratischen Parteien im Bundestag die grundlegende Verbesserung des Gesetzentwurfs im Rahmen der Gesetzgebung. Hierzu verweisen wir auf unsere Stellungnahme auf den Referent:innenentwurf der beiden federführenden Bundesministerien für Familie und für Justiz, die wir aufgrund der extrem kurzen Terminvorgaben der Bundesregierung innerhalb von drei Tagen (!) verfassen durften.


Hier das PDF zur Stellungnahme des TBB zum Referent:innenentwurf

TBB zum Tag der Befreiung am 8. Mai



„81 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus sehen wir: Rassismus ist wieder laut, sichtbar und politisch wirksam. Was lange als Tabu galt, wird heute normalisiert.

Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung. Denn der 8. Mai steht für die Befreiung von Menschenverachtung, Faschismus und Gewalt – und erinnert uns daran, dass Demokratie aktiv verteidigt werden muss.

Es reicht schon lange nicht mehr, nur zu mahnen. Politik und Gesellschaft müssen klar Haltung zeigen: gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung, gegen jede Verschiebung nach rechts.

Wer versucht, rassistische Positionen zu relativieren, zu übernehmen oder gar zu überholen, stärkt sie nur.

Der Tag der Befreiung ist ein Auftrag: entschieden für Menschenwürde, Solidarität und eine offene Gesellschaft einzustehen – jeden Tag.“

Ayşe Demir,

Vorstandssprecherin

TBB Tanıtım Günü, 22 Nisan 2026 tarihinde Berlin Vakıflar Haftası çerçevesinde gerçekleştirildi


Her yıl Nisan ayında Berlin’deki vakıflar ve kar amacı gütmeyen sivil toplum kuruluşları (STK), Berlin Vakıflar Haftası’na katılarak on gün boyunca yürüttükleri çalışmaları, projeleri ve başarılarını kamuoyuna sunmaktadır.

Bu yıl Vakıflar Haftası, “Warum die Zukunft uns braucht?” (Gelecek neden bize ihtiyaç duyuyor?) sloganı altında gerçekleştirilmektedir.

Göçmen kökenli bir sivil toplum kuruluşu olan TBB de eğitim, ayrımcılıkla mücadele, katılım, tüketici eğitimi, çevre ve sosyal politika alanlarındaki projeleriyle; ırkçılığa karşı ve toplumun her alanında eşit katılımın sağlanmasına yönelik faaliyetlerini Berlin Vakıflar Haftası kapsamında, 22 Nisan 2026 tarihinde Oranienstr. 53, 10696 Berlin adresindeki ofisinde düzenlediği Tanıtım Günü’nde ziyaretçilerle paylaştı.

Tanıtım Günü hakkında bilgi veren Berlin Brandenburg Türkiye Toplumu (TBB) Yönetim Kurulu Sözcüsü Ayşe Demir, “Çalışmalarımız yoğun ilgiyle karşılandı, güzel sohbetler gerçekleşti. Ziyaretçiler ve kurum temsilcileriyle yeni tanışıklıklar kuruldu; iş birliği olanakları ve hatta ortak proje fikirleri konuşuldu.” dedi.

Yoğun geçen bu tanıtım gününün ardından, bize bu imkânı sunan Vakıflar Haftası organizatörlerine ve tüm ziyaretçilerimize çok teşekkür ederiz.


TBB unterstützt die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ für besseren Schutz vor sexueller Gewalt

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) spricht sich ausdrücklich für die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen aus und begrüßt die geplanten Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes vor sexualisierter Gewalt.

Das vorgeschlagene Reformkonzept sieht vor, dass künftig jede sexuelle Handlung strafbar ist, wenn keine ausdrückliche Zustimmung vorliegt. Damit wird ein Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht angestrebt: Weg vom bisherigen „Nein heißt Nein“-Prinzip hin zu einer klaren Zustimmungslösung, die die sexuelle Selbstbestimmung konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Besonders begrüßen wir, dass Betroffene sexualisierter Gewalt künftig besseren Zugang zu rechtlicher Unterstützung erhalten sollen, unter anderem durch einen Anspruch auf kostenfreie anwaltliche Begleitung in allen Fällen.

„Sexuelle Selbstbestimmung ist ein unveräußerliches Grundrecht. Ein klares ‘Ja’ als Voraussetzung für jede sexuelle Handlung stärkt den Schutz von Betroffenen und setzt ein deutliches gesellschaftliches Signal gegen Gewalt und Grenzüberschreitungen“, erklärt Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg.

Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das alle Menschen betrifft. Umso wichtiger ist es, über Rechte, Schutzmöglichkeiten und Unterstützungsangebote umfassend zu informieren und Betroffene zu stärken. Die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ setzt hier ein wichtiges Zeichen für mehr Gerechtigkeit und Schutz.

Der TBB fordert alle politischen Akteur*innen auf, die Reform des Sexualstrafrechts entschlossen voranzutreiben und damit ein deutliches Signal für den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung zu setzen.

Steffen Krach (SPD) TBB’yi ziyaret etti / Besuch von Steffen Krach (SPD) beim TBB

Deutsche Version unten


20 Eylül 2026 tarihinde yapılacak Berlin Eyalet Parlamentosu seçimlerinde Sosyal Demokrat Parti’nin (SPD) Eyalet Başbakan adayı Steffen Krach beraberinde Berlin Eyalet Parlamenterleri Bettina König ve Orkan Özdemir ile Berlin Brandenburg Türkiye Toplumu’nu(TBB) 8 Nisan Çarşamba günü ziyaret etti. Steffen Krach ve Bettina König’in Mayıs ayında toplanacak SPD Berlin Eyalet Kurultay’ında SPD Berlin Eyalet Örgütü’ne Eşbaşkan seçileceklerine kesin gözüyle bakılıyor.

Sıcak bir ortamda yapılan toplantıda ilk olarak TBB Yönetim Kurulu sözcüsü Ayşe Demir kurumu tanıttı ve siyasi çalışmalar ve projeler konusunda bilgi verdi. Özellikle TBB’nin artık sadece göç konuları ile değil toplumu ilgilendiren her konu (örneğin Tüketici Hakları ve Çevre Koruma) ile ilgili çalışmalar yaptığı ve kendini giderek bir İnsan Hakları Derneği olarak tanımladığı vurgulandı.

Daha sonra Steffen Krach kendini tanıttı ve özellikle Berlin’de bir dönem Müsteşar olarak çalıştığını, dolayısıyla Berlin’i yakından tanıdığını vurguladı.

Ardından TBB Yönetim Kurulu‘nun, çalışanlarının ve çok sayıda üyesinin katıldığı kapsamlı ve yapıcı bir görüş alışverişi gerçekleşti. Giderek artan ırkçı aşırı sağın demokrasimiz için büyük bir tehlike oluşturduğu konusunda katılımcılar hemfikirdi. Bu tehlikeye karşı diğer önlemlerin yanısıra özellikle etkin bir sosyal politika ile mücadele edilmesi gerekliliği öne çıktı. Berlin’de giderek derinleşen konut sorunu toplantının diğer bir ağırlık noktasıydı. Bu sorunun çözümünde yeterli sayıda yeni konut inşasının kaçınılmaz olduğu vurgulanırken, aynı zamanda bu konutların geniş toplum kesimleri için erişilebilir kiralarla pazarlanması gerektiği değerlendirildi. Bu çerçevede kiracı koruma haklarının genişletilmesi konusunda federal yapının eyaletlere daha fazla yetki vermesi gerektiği dile getirildi ve böyle bir düzenlemeyi engelleyen federal hükümetin bir kanadı kınandı.

Diğer konular arasında, yurtdışında edinilen meslek diplomalarının tanınmasının kolaylaştırılması, bisiklet yolları ve ayrımcılıkla mücadele projelerinin genişletilmesi sayılabilir.

Toplantı vesilesiyle TBB bir gün önce sokak ortasında tehdide maruz kalan Steffen Krach’a tekrar geçmiş olsun dileklerini iletti.

Steffen Krach toplantısı TBB’nin Berlin Eyalet Seçimleri çerçevesinde siyasetçiler ile yapacağı toplantı dizisinin birincisidir. Kendisine ve beraberindeki parlamenterlere ziyaretleri ve samimi sohbet için teşekkür ederiz.



Am 8.April 2026 haben uns Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD Berlin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters sowie designierter Landesvorsitzende, Bettina König, MdA, designierte Landesvorsitzende der SPD Berlin, stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie Sprecherin für Gesundheit im AGH sowie Orkan Özdemir, MdA und Sprecher für Antidiskriminierung Integration und Kampf gegen Rechtsextremismus im AGH in unserer TBB-Geschäftsstelle besucht.
Die TBB-Vorstandssprecherin Ayşe Demir hat den Verband und die Projekte vorgestellt und betont, dass sich der TBB mittlerweile als eine Menschenrechtsorganisation versteht.


Steffen Krach hat seine Visionen für Berlin dargelegt. Anschließend fand ein reger und konstruktiver Austausch zu aktuellen Themen, an dem sich der TBB-Vorstand, zahlreiche TBB-Mitglieder und Mitarbeiterinnen sowie TBB-Unterstützerinnen beteiligt haben.


Einigkeit herrschte sehr schnell darüber, dass der steigende Rechtsextremismus für unsere Demokratie eine ernsthafte Gefahr bedeutet. Dieser Gefahr sollte u.a. mit einer gezielten Sozialpolitik begegnet werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das beherrschende Thema in der Stadt: Wohnen und insbesondere bezahlbare Mieten. Ohne Neubau wird das Wohnungsproblem nicht gelöst, es müssen allerdings bezahlbare Wohnungen entstehen und bürokratische Hürden müssen abgebaut werden. Weiterhin muss der Bund den Ländern mehr Freiheit in Sachen Mieterschutz ermöglichen.


Weitere Themen waren Erleichterung des Anerkennungsverfahrens für die im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse, Radwege, Ausbau von Antidiskriminierungsprojekten.
An dieser Stelle erklärt der TBB erneut seine uneingeschränkte Solidarität mit Steffen Krach, der gestern in Steglitz auf offener Straße von einem Unbekannten bedroht wurde.

TBB kritisiert Rückführungsdebatte und warnt vor politischer Ausgrenzung


Die Debatte um „Abschiebeoffensive“ oder „Remigration“ hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) kritisiert dabei nicht nur die Wortwahl, sondern vor allem die politischen Forderungen, die zunehmend auf Ausgrenzung zielen.
 
Besonders alarmierend sind aktuelle Vorstöße des Bundeskanzlers Friedrich Merz, bis zu 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer*innen zurückzuführen. Der TBB warnt vor pauschalen Forderungen, die individuelle Schutzrechte und Lebensrealitäten ignorieren.
 
„Hier geht es längst nicht mehr nur um Rhetorik – diese Debatten übersetzen sich in konkrete politische Forderungen“, erklärt die Vorstandssprecherin Ayşe Demir. „Wer über die Rückführung von 80 Prozent einer Gruppe spricht, stellt Zugehörigkeit grundsätzlich infrage.“
 
Was das konkret bedeuten würde, zeigt ein einfaches Gedankenexperiment: Würden Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte für nur einen Tag ihre Arbeit niederlegen, stünde vieles still – in Krankenhäusern, im Nahverkehr, in Kitas, auf Baustellen oder in der Logistik.
 
„Diese Gesellschaft funktioniert nicht ohne sie – und doch wird ihre Zugehörigkeit immer wieder politisch infrage gestellt“, so Demir. „Das ist nicht nur realitätsfern, sondern provoziert völlig unnötig, vergiftet das politische und gesellschaftliche Klima und ist geeignet, jede Solidarität in der Gesellschaft zu untergraben.
 
Die pauschale Forderung nach einer Rückführung von 80% einer Bevölkerungsgruppe ist rechtlich, ökonomisch und praktisch nicht nur unsinnig, sondern schlicht unerreichbar. Sie in den Raum zu werfen, gibt daher den brandgefährlichen Narrativen Rechtsextremer Aufschwung.
 
Der Bundeskanzler und nicht nur er müssen mittlerweile mitbekommen haben, dass diese zuspitzende, realitätsferne, menschenverachtende Positionierung, die in einer scharfen Rhetorik verpackt wird, die Rechtsextremen nicht halbiert, sondern eher gestärkt hat.
 
Daher fordert der TBB ein klares politisches Umsteuern: weg von pauschalen Rückführungsfantasien, hin zu einer verantwortungsvollen, rechtsstaatlichen und menschenrechtsbasierten Migrationspolitik.

31. März: Trans*Sichtbarkeitstag


Am 31. März, dem Transgender Day of Visibility, machen wir Trans*Leben sichtbar – aus einer rassismuskritischen, queeren und migrantischen Perspektive. Sichtbarkeit heißt für viele zugleich Anerkennung und Risiko. Deshalb braucht es mehr als Symbolik: Schutz, Rechte und strukturelle Veränderungen.

Trans* und nicht-binäre Menschen – insbesondere BIPoC, Migrant*innen und Geflüchtete – sind von intersektionalen Diskriminierungen betroffen. Transfeindlichkeit verschränkt sich mit Rassismus und erschwert den Zugang zu Wohnraum, Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung.

Gleichzeitig tragen Communities diese Stadt: Organisationen wie LesMigraS, GLADT e.V., Casa Kuà und TransInterQueer e.V. schaffen Schutzräume, Beratung und Empowerment.

Der Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) unterstützt mit Antidiskriminierungsarbeit auf Basis von Landesantidiskriminierungsgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz sowie durch Peer-Beratung gezielt trans und migrantische Perspektiven.

Unsere Forderung: konsequenter Schutz vor Gewalt und Diskriminierung, gleiche Rechte und reale Teilhabe.

Für eine Gesellschaft, in der Trans und nicht-binäre Menschen sicher, sichtbar und selbstbestimmt leben können.

Prof. Dr. Zülfukar Çetin,

Vorstandssprecher

Erdem Zayimoğlu

Meine Familie – Queers in der Migrationsgesellschaft, TBB


Pauschalisierung und Stimmungsmache lösen keine Probleme!


Bundeskanzler Friedrich Merz hat am 25. März 2026 im Bundestag Zuwanderung als Ursache für eine „explodierende Gewalt“ benannt, nachdem er zu Gewalt gegen Frauen Stellung nehmen sollte.

Dazu erklärt der Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB):

„Diese Aussagen sind nicht nur pauschalisierend und stigmatisierend, sondern politisch brandgefährlich. Wer ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht stellt, betreibt verantwortungslose Stimmungsmache“, erklärt Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des TBB.

Der Bundeskanzler lenke damit von den tatsächlichen Ursachen von Gewalt gegen Frauen ab und trage aktiv zur gesellschaftlichen Spaltung bei. Gerade in einer angespannten gesellschaftlichen Lage seien solche Äußerungen geeignet, Ressentiments zu schüren und das Zusammenleben weiter zu belasten.

„Gewalt gegen Frauen ist ein ernstes strukturelles Problem, das konsequentes staatliches Handeln erfordert – keine Sündenbock-Rhetorik. Statt zu spalten, muss die Bundesregierung endlich wirksame Maßnahmen ergreifen: den Ausbau von Frauenhäusern, die verlässliche Finanzierung von Beratungsstellen und eine umfassende Stärkung von Frauenrechten“, so Demir. „Das Problem sind Misogynie und Patriarchale Muster. Solange der Marker ‚Migration‘ in der Debatte stehts vor den Marker ‚problematische Männlichkeitsbilder‘ gestellt wird, lenken wir vom Kern des Problems nur ab.“

Der TBB fordert den Bundeskanzler auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und Migration nicht länger für innenpolitische Profilierung zu instrumentalisieren. Pauschale Schuldzuweisungen lösen keine Probleme – sie verschärfen sie. Wer angibt, Rechtsextremismus, Rassismus und gesellschaftliche Spaltung bekämpfen zu wollen, darf deren Narrative nicht reproduzieren und bedienen.