Die Bundesregierung hat Mut nur zu einem „AGG-Reförmchen“!

Zum gestrigen Beschluss der Bunderegierung zur Novelle des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) erklärt der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB):

Der gestrige Beschluss der Bundesregierung zur Novelle des AGG bleibt erheblich unter den Erwartungen der Expert:innen und der Zivilgesellschaft und berücksichtigt keineswegs den tatsächlichen Bedarf.

Seit Langem war eine umfassende Reform des AGG sichtbar und unverzichtbar.

Schon im Jahr 2016 hat die erste wissenschaftliche Evaluation des AGG einen erheblichen Reformbedarf festgestellt. Infos unter diesem Link

Die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung hat am 19.07.2023 den Reformbedarf mit konkreten Nachbesserungsvorschlägen bekräftigt. (Hier der Link zum Grundlagenpapier)

Das zivilgesellschaftliche „Bündnis AGG Reform jetzt“ hat am 18.09.2025 ebenfalls seine konkreten Forderungen veröffentlicht. (Hier zur Stellungnahme)

Trotzdem schafften die vorangegangenen Bundesregierungen immer wieder, die Stimmen der Expert:innen und der Zivilgesellschaft zu ignorieren, selbst dann, als die Reform in der Koalitionsvereinbarung stand.

Insofern hätte der gestrige Beschluss der Bundesregierung begrüßt werden können, wäre der Entwurf nicht so halbherzig, sondern grundlegend gewesen.

Die einzige positive Änderung im Entwurf ist der Schutz vor sexueller Belästigung auch im Zivilrechtsverkehr.

Alles andere bleibt hinter den subjektiven Erfordernissen. Nur einige Beispiele:

Die Verlängerung der zweimonatigen Frist für die Geltendmachung der Ansprüche gegenüber den Diskriminierungsverantwortlichen auf vier Monate ist keine echte Erleichterung der Rechtsdurchsetzung, sondern eine Augenwischerei. Angesichts des enormen strukturellen Ungleichgewichts zwischen den Betroffenen und den Verursachenden muss die Frist mindestens ein Jahr betragen.

Anstelle den Diskriminierungsschutz auf die Merkmale „Sozialer Status, Sprache, Staatsangehörigkeit, chronische Erkrankung, Körpergewicht und familiäre Fürsorgeverantwortung“ zu erweitern, begnügt der Regierungsentwurf damit, das Merkmal „Alter“ mit „Lebensalter“ zu präzisieren. Das ist lächerlich.

Entgegen den positiven Beispielen in Berlin und neulich auch in Rheinland-Pfalz fehlt der Schutz vor Diskriminierung durch staatliche Stellen im Regierungsentwurf ganz, als ob in den Behörden keine Diskriminierung stattfände oder als ob die Polizei alle Demonstrant:innen gleichbehandle!

Eine effektivere Rechtsdurchsetzung im Sinne der Betroffenen durch Verbandsklagen fehlt im Regierungsentwurf vollständig. Offensichtlich möchte die Bundesregierung einzelne Betroffene vor Gericht gegenüber mächtigen Arbeitgebern oder Wohnungskonzernen weiterhin allein lassen.

Die §§ 19.3. und 19.5 AGG, die einer legalen Diskriminierung Tür und Tor öffnen, bleiben in dem Regierungsentwurf stehen. Diese Bestimmungen lassen im Klartext in migrantisch geprägten Quartieren eine Diskriminierung zu sowie erlauben den Vermietenden eine Diskriminierung, wenn sie weniger als 50 Wohnungen besitzen bzw. verwalten.

Der Regierungsentwurf entspricht den politischen Positionierungen der Bundesfamilienministerin Prien, die keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber einer progressiven Antidiskriminierungspolitik macht, indem sie z.B. das erfolgreiche Programm Respektland gänzlich beendet und das Programm „Demokratie leben“ nach ihren konservativen Vorstellungen umzukrempeln versucht. Schade, dass die Bundesjustizministerin Dr. Hubig nicht mit progressiven Ideen aufwarten konnte.

Der TBB mit seinen vier Antidiskriminierungsprojekten erwartet von den demokratischen Parteien im Bundestag die grundlegende Verbesserung des Gesetzentwurfs im Rahmen der Gesetzgebung. Hierzu verweisen wir auf unsere Stellungnahme auf den Referent:innenentwurf der beiden federführenden Bundesministerien für Familie und für Justiz, die wir aufgrund der extrem kurzen Terminvorgaben der Bundesregierung innerhalb von drei Tagen (!) verfassen durften.


Hier das PDF zur Stellungnahme des TBB zum Referent:innenentwurf

TBB unterstützt die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ für besseren Schutz vor sexueller Gewalt

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) spricht sich ausdrücklich für die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen aus und begrüßt die geplanten Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes vor sexualisierter Gewalt.

Das vorgeschlagene Reformkonzept sieht vor, dass künftig jede sexuelle Handlung strafbar ist, wenn keine ausdrückliche Zustimmung vorliegt. Damit wird ein Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht angestrebt: Weg vom bisherigen „Nein heißt Nein“-Prinzip hin zu einer klaren Zustimmungslösung, die die sexuelle Selbstbestimmung konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Besonders begrüßen wir, dass Betroffene sexualisierter Gewalt künftig besseren Zugang zu rechtlicher Unterstützung erhalten sollen, unter anderem durch einen Anspruch auf kostenfreie anwaltliche Begleitung in allen Fällen.

„Sexuelle Selbstbestimmung ist ein unveräußerliches Grundrecht. Ein klares ‘Ja’ als Voraussetzung für jede sexuelle Handlung stärkt den Schutz von Betroffenen und setzt ein deutliches gesellschaftliches Signal gegen Gewalt und Grenzüberschreitungen“, erklärt Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg.

Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das alle Menschen betrifft. Umso wichtiger ist es, über Rechte, Schutzmöglichkeiten und Unterstützungsangebote umfassend zu informieren und Betroffene zu stärken. Die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ setzt hier ein wichtiges Zeichen für mehr Gerechtigkeit und Schutz.

Der TBB fordert alle politischen Akteur*innen auf, die Reform des Sexualstrafrechts entschlossen voranzutreiben und damit ein deutliches Signal für den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung zu setzen.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg sucht zum 01.03.2026 eine Co-Projektleitung für das neue Projekt „WA-Service“ in vollzeitnaher Teilzeit (zu Beginn 37,04 h/Woche =94%)

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) ist ein überparteilicher, überkonfessioneller und demokratischer Dachverband von Organisationen und Einzelpersonen aus Berlin und Brandenburg. Der TBB sieht sich primär als Interessenvertretung, ist aber zugleich sozialer Träger mit spezifischen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten und setzt seit 2011 einen Teil der Anerkennungsberatung und seit 2020 die Beratung zur Fachkräftegewinnung und -sicherung im IQ Netzwerk um.

Projektbeschreibung:

Das Teilvorhaben „WA-Service“ ist eines von drei Projekten des Regionalen Integrationsnetzwerks Willkommens- und Anerkennungskultur (RINWA). Das Projekt wird im Rahmen des IQ-Förderprogramms durch das BMAS und die Europäische Union (ESF Plus) gefördert und ist Teil des Regionalen Integrationsnetzwerkes Willkommens- und Anerkennungskultur (RINWA).

„WA-Service“ unterstützt Unternehmen – insbesondere KMU – in den Branchen Büro/Dienstleistungen sowie Umwelt- und Klimaberufe durch Informationsveranstaltungen, Schulungen, individuelle Beratungen und Begleitprozesse bei der Gewinnung und nachhaltigen Integration internationaler Arbeitskräfte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung einer diskriminierungssensiblen Willkommens- und Anerkennungskultur in Unternehmen, der Sensibilisierung von Belegschaften und Berufsschüler:innen zu Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus sowie der Stärkung fairer und transparenter Rekrutierungs- und Arbeitsbedingungen. Als Co-Projektleitung gestalten Sie dieses neue Angebot aktiv mit und tragen dazu bei, strukturelle Hürden abzubauen und die Arbeitsmarktintegration internationaler Arbeitskräfte nachhaltig zu verbessern.

Für den Projektaufbau wird eine Co-Projektleitung mit Schwerpunkt admnistrativer Leitung gesucht, die jedoch auch operative Aufgaben mitträgt.

Aufgaben:

  • Konzeptionelle und strategische Planung, Strukturierung und Umsetzung des Projektes
  • Leitung der Projektadministration: Antragsvorbereitung; Controlling, Budgetbewirtschaftung und -verwaltung; Dokumentation und Erstellung von Verwendungsnachweisen, Kommunikation mit dem Zuwendungsgeber
  • Mitwirken an operativen Aufgaben: Konzeptionelle und strategische Planung, Strukturierung, Entwicklung von Inhalten und Umsetzung der Projektmaßnahmen
  • Organisation, Konzeptionierung & Vorbereitung von Beratungen, Schulungen und Informationsveranstaltungen zur Gewinnung internationaler Arbeitskräfte, Unternehmens- und Willkommenskultur, Integrationsmanagement internationaler Arbeitskräfte, Antidiskriminierung
  • Durchführung von Beratungen, Schulungen und Wissenstransfer in die Zielgruppen
  • Repräsentation und Vernetzung mit Unternehmen, Verbänden, Berufsschulen, Behörden, Migrant:innenorganisationen und weiteren relevanten Akteuren
  • Zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit

Sie verfügen über

  • Abgeschlossenes Hochschulstudium oder vergleichbare Erfahrungen und Kenntnisse
  • Mindestens 3 Jahre Berufserfahrung in Tätigkeit im Bereich Projektmanagement, Beratung, Schulung, Arbeitsmarktintegration oder der Arbeit mit internationalen Fachkräften
  • Einschlägige Berufserfahrung in der Projektumsetzung und im (administrativen) Projektmanagement (vorzugsweise in Zuwendungsprojekten)
  • Kenntnisse innerhalb Themenfeldern wie: Antidiskriminierung, Unternehmens- und Willkommenskultur, Integrationsmanagement, Internationale Fachkräfte  
  • Kenntnisse relevanter Arbeitsmarktakteure insb. in Berlin
  • Erfahrungen in der Konzeptionierung und Durchführung von Schulungen und/oder Informationsveranstaltungen
  • Diskriminierungskritische Haltung und Grundverständnis
  • Erfahrungen in der Beratung (insb. von Organisationsvertreter:innen)
  • Gute Sprachkenntnisse in Deutsch sowie mindestens einer Fremdsprache
  • Sicheres und konsequentes Auftreten, sehr gute Kommunikationsfähigkeit, analytisches und strategisches Denken
  • Fähigkeit zur eigenverantwortlichen, strukturierten Arbeit
  • Diskriminierungssensibilität und interkulturelle Kompetenzen
  • Gute EDV-Anwendungskenntnisse (insb. MS-Office)

Wir bieten

  • Die Möglichkeit ein neues Projekt mit aufzubauen
  • Eine abwechslungsreiche und herausfordernde Tätigkeit
  • Teilzeit befristet für die Projektlaufzeit bis zum 31.12.2028
  • Vergütung in Anlehnung an TV-L E11
  • Ein angenehmes Arbeitsklima in einem kleinen Team mit kurzen Entscheidungswegen

Bewerbung
 
Wir tun alles, um ein respektvolles und diskriminierungsarmes Arbeitsumfeld zu gewährleisten und ermutigen ausdrücklich auch Menschen mit eigener und/oder familiärer Migrationserfahrung, Menschen mit Behinderung, mit Rassismuserfahrung, queere Menschen und Personen mit anderen Marginalisierungserfahrungen, sich bei inhaltlicher Eignung zu bewerben!
  
Der TBB führt ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren durch. Bitte nutzen Sie für Ihre Bewerbung ausschließlich die hier hinterlegte Vorlage!
Ihre Bewerbungsunterlagen senden Sie bis zum 23. Februar bitte bevorzugt per Mail mit dem Betreff „Bewerbung WA-Service“ an:
bewerbung@tbb-berlin.de

oder per Post an:

Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg
Stichwort: Bewerbung RINWA
Oranienstr. 53
10969 Berlin

Neues TBB-Projekt Zero Waste Voices

Der TBB startet ein neues Multiplikator:innenprojekt zu nachhaltiger Abfallwirtschaft und Wertstoffrecycling, das durch die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin gefördert wird. Gerne teilen wir hier die Pressemitteilung der SNB


Pressemitteilung

Zero Waste Voices: Viele Sprachen, viele Chancen

Neues Förderprojekt des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB) gestartet 

Am 1. Juni ist das Projekt „Zero Waste Voices – Vielsprachigkeit für Wertstoffrecycling“ des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB) gestartet. Das Projekt schult Multiplikator:innen, die Wissen zu Wertstoffrecycling, Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Verbraucher:innenhandeln an vielsprachige Communities weitervermitteln. Erfahrungswerte aus Vorgängerprojekten des TBB zeigen, dass Zielgruppen aus migrantischen Berliner Communities über Multiplikator:innen deutlich besser für diese Themen sensibilisiert werden können. Mit einer sechsstelligen Summe, dem größten bisher vergebenen Fördervolumen, finanziert die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) das Projekt aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin.

Abfalltrennung und Abfallvermeidung: Das sind unumgängliche und komplexe Themen, die besonders in einer Großstadt, wo viele Menschen auf engem Raum leben, für alle organisiert und zugänglich gemacht werden müssen. Doch wenn Menschen aufgrund von Sprachbarrieren nicht richtig über die vielzähligen Möglichkeiten informiert werden können, scheitert an dieser Stelle die Umsetzung. Wie trenne ich Abfälle richtig? Wie geht Recycling? Was kann ich auf Wertstoffhöfen entsorgen und welche Informationsstellen gibt es für meine Fragen? Um für diese Themen Gehör zu finden, braucht es eine direktere Ansprache der Berliner:innen – idealerweise nicht nur auf Deutsch.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg hat deshalb die „Zero Waste Voices“ entwickelt und ins Leben gerufen: Das Projekt soll engagierte Berliner:innen mit unterschiedlichen Sprachen und eigenen oder familiären Migrationsgeschichten zu Multiplikator:innen ausbilden, die innerhalb ihrer jeweiligen Communities über Abfalltrennung und -vermeidung sowie Wertstoffrecycling und weiteren naheliegenden Umweltthemen aufklären. Die SNB unterstützt das groß angelegte Projekt aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin.

„Wir alle sind Teil der Gesellschaft und können mitgestalten“

Wir sind sehr zuversichtlich, was die Wirkung von Zero Waste Voices angeht: Multiplikator:innenprojekte verankern nicht nur Fakten- und Handlungswissen in den Communities, sondern stärken auch die Motivation, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Die Vernetzung unterschiedlicher Communities macht den Zielgruppen klar: Wir alle sind Teil der Gesellschaft und können mitgestalten wie diese aussieht – zum Beispiel nachhaltig und sauber durch Wertstoffrecycling!“,  sagt Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des TBB.

„Mit der Unterstützung dieses Projektes sehen wir großes Potenzial, die hiermit fokussierte Zielgruppe zu den wichtigen Themen der richtigen Abfalltrennung und -vermeidung zu erreichen. Wir sind optimistisch, dass das Konzept der Multiplikator:innenschulung des TBB für die Zukunft der Berliner Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag leisten wird“, sagt Franziska Voß, Abfallberaterin der Abteilung Kompetenzcenter Re-Use und im Team des Förderfonds Trenntstadt Berlin der BSR.


Schulung für acht verschiedene Sprachcommunities

Für mindestens acht verschiedensprachige Communities sollen durch das Projekt insgesamt 36 fortgebildete Personen zum Themengebiet Umweltschutz durch Abfallvermeidung und -trennung künftig zur Verfügung stehen. Gemeinsam erarbeiten sie hierfür zielgruppensensible Materialien und vermitteln ihre Inhalte mit niedrigschwelligen Informationsangeboten: Fakten etwa zu Abfallaufkommen in Privathaushalten, Recycling und Wertstoffkreisläufen, Ressourcenschonung, Umweltschutz, Umgang und Verwertung von nicht-recyclebaren Abfällen, Upcycling, Reparatur und Mehrfachnutzung, Methoden und Adressen für saubere Abfalltrennung.

Nach der Weiterbildung der Multiplikator:innen soll dieses Angebot Menschen erreichen, die an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen, das Erlernte in ihre Communities weitertragen und im Alltag verankern. 

Die Zielgruppe – Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte – kommt in der Regel bei Integrationskursen und Deutschkursen zum ersten Mal in Kontakt mit dem Thema Abfalltrennung in Deutschland. Das Projekt des TBB ermöglicht eine niedrigschwellige Direktansprache und vereinfacht die Überwindung von Sprachbarrieren. So wird die Selbstwirksamkeit für Recycling, das Schonen von Ressourcen, eine saubere Stadt und eine saubere Umwelt erfahrbar und leichter zugänglich gemacht“, sagt Annette Nawrath, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Berlin.

„Zero Waste Voices“ ist das von der SNB mit der bisher höchsten Summe geförderte Projekt, das der TBB nun innerhalb von 23 Monaten umsetzt. Es wird fortlaufend wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Der Verband baut dabei auf langjährige Erfahrung: Fünf vorherige TBB-Projekte in den Bereichen Umwelt-, Klima- und Verbraucher:innenschutz, zum Teil finanziert durch das Bundesumweltministerium, zeigten bereits, dass der Einsatz von Multiplikator:innen aus verschiedensprachigen Communities nicht nur die Aufmerksamkeit für ein Thema deutlich steigern kann, sondern auch die Motivation der Menschen aus diesen Communities, sich proaktiv damit zu beschäftigen.

Falls Sie über das Thema berichten möchten, können wir Ihnen den entsprechenden Kontakt vermitteln. Bitte wenden Sie sich hierfür an presse@stiftung-naturschutz.de

Der Förderfonds Trenntstadt Berlin wird aus Mitteln des Dualen Systems getragen und ist eine Initiative der Berliner Stadtreinigung (BSR) und ihrer Partner:innen. Die Stiftung Naturschutz Berlin ist hierbei für die Beratung der Antragssteller:innen, die Auszahlung der Mittel und die Verwendungsprüfung verantwortlich. Ziel des Fonds ist es, Projekte zu fördern und finanziell zu unterstützen, die einen Beitrag zur Vermeidung und Verringerung von Verpackungsmüll sowie zur korrekten Abfalltrennung leisten. Gesucht werden Akteur:innen mit innovativen Ansätzen, die Berliner:innen von der Abfallvermeidung und richtigen Trennung begeistern.

Über die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB)
Naturschutz – Umweltbildung – Freiwilligendienste – Förderung, dafür steht die Stiftung Naturschutz Berlin. Die SNB ist eine gemeinnützige Stiftung, die 1981 vom Berliner Abgeordnetenhaus gegründet wurde. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem der Lange Tag der StadtNatur, die Stadtnatur-Ranger, der Naturschutzpreis, die Koordinierungsstellen Fauna und Florenschutz, der Umweltkalender. Die Stiftung wird von Geschäftsführer Stefan Richter geleitet und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter:innen. Weitere Informationen unter www.stiftung-naturschutz.de.

Über den Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg (TBB)
Der TBB ist ein überparteilicher, überkonfessioneller, demokratischer Dachverband von Organisationen und Einzelpersonen aus Berlin und Brandenburg. Als Migrant:innenorganisation vornehmlich türkeistämmiger Menschen setzt sich der TBB gemeinsam mit Verwaltungsinstitutionen und anderen Organisationen für die rechtliche, soziale und politische Gleichstellung und -behandlung von Menschen mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung sowie für das friedliche Zusammenleben und solidarische Zusammenwirken aller Menschen in Berlin und Brandenburg ein. Der TBB ist ein erfahrener und Community-übergreifender Träger diverser, i.d.R. zuwendungsfinanzierter Projekte in den Bereichen Partizipation, Antidiskriminierung Umwelt- und Klimaschutz, Arbeitsmarktintegration, Freiwilligendienste und Verbraucher:innenschutz.

Pressemitteilung: TBB zur Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD


Der mögliche Bundeskanzler Friedrich Merz begann seine Pressekonferenz mit dem Thema „Begrenzung der Migration“!

Dass Friedrich Merz mit dem Thema Migration gestartet hat, kann nur als Avance an die AfD verstanden werden, so der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) in einer Presseerklärung.

Die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD ist aus migrantischer Sicht in vielen Punkten zu kritisieren. Insbesondere ist es inakzeptabel, dass die Bekämpfung von Rassismus und hierbei des antimuslimischen Rassismus und des Antiziganismus keine Erwähnung findet.

Zu begrüßen ist, dass die Mehrstaatigkeit als Regelfall bei der Einbürgerung sowie die sanktionsfreie Übernahme einer weiteren Staatsbürgerschaft bestehen bleiben. Der TBB kritisiert aber nach wie vor, dass die Verschärfungen im geänderten Staatsangehörigkeitsrecht nicht zurückgenommen worden sind.

Zu begrüßen ist zudem die Einrichtung eines NSU-Dokumentationszentrums in Nürnberg. In diesem Zusammenhang erwartet der TBB weiterhin die lückenlose Aufklärung aller Hintergründe dieser Morde, insbesondere was die Verwicklungen staatlicher Stellen und die Freigabe aller amtlichen Dokumente sowie die immer noch ausstehenden Erklärungen der sogenannten „Pannen“ der Ermittlungsbehörden anbelangt.

Die vorgesehene AGG-Reform und die Neuauflage des „Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus“ aufbauend auf einer wissenschaftsbasierten Rassismus-Definition sollten umgehend in Angriff genommen werden. Die AGG-Reform darf nicht wie zuletzt als Platzhalter dienen.

Zu kritisieren ist insbesondere die Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten für zwei Jahre. Hiermit wird nicht nur der grundgesetzlich verbriefte besondere Schutz der Familie ignoriert, sondern auch die Eingliederung dieser Personengruppe in unsere Gesellschaft erschwert.

Überdies darf die Erweiterung der Liste der sicheren Herkunftsstaaten nicht dazu führen, dass die Asylanerkennung für Angehörige dieser Staaten pauschal ausgeschlossen wird.

Scharfe Kritik übte der TBB an der vorgesehen massiven Verschärfung der Ausweisungskriterien. Natürlich müssten alle Straftaten, unabhängig davon, von wem sie begangen werden, bestraft werden. Dies sollte jedoch für nicht-Deutsche nicht zu einer Doppelbestrafung führen. Daher sollten auch straffällig gewordene Menschen mit Migrationsgeschichte in der Bundesrepublik das Recht haben, nach der Strafverbüßung in der Bundesrepublik zu bleiben.

Der TBB erwartet nun, dass in der neuen Bundesregierung auch Minister:innen und Staatssekretär:innen mit Menschen mit Migrationsgeschichte vertreten sind.

4 Jahre nach dem Mordanschlag in Hanau: Gedenken und Mahnung

Pressemitteilung, 19.02.2024

Wie unzählige andere gedenken auch wir heute der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau vor vier Jahren. Neun Menschen fielen einem durch rassistischen Hass getriebenen Täter zum Opfer. Auch wenn die Tat in ihrer Tragik  und Reichweite einmalig war und der Täter alleine handelte, verkennt es die Realität, von Hanau als Einzelfall zu denken.

Die Gewalt gegen Menschen, die als Migrationsandere* markiert werden, steht in einer traurigen Kontinuität in Deutschland. Sie geht hervor aus einem Diskurs, der leider nach Hanau nicht abnahm, sondern weiter eskaliert wurde: Von Rechts gezielt und gewollt; von vielen in der vermeintlichen „Mitte“ unbeabsichtigt und passiv.

Aber rassistische Narrative können nicht durch Zugeständnisse eingehegt, sondern nur durch entschlossene Gegenrede durchbrochen werden. Das wurde zu oft versäumt und brachte Extremist:innen in die Position, aus der ihnen nun eine Unterhöhlung demokratischer Institutionen möglich werden könnte. Die jüngsten Enthüllungen zeigen, was dabei auf dem Spiel steht: Die physische Existenz von migrantisch markierten Menschen und Andersdenkenden in Deutschland soll delegitimiert, in Abrede gestellt und in letzter Konsequenz beendet werden.

Als Gesellschaft sind wir es den am 17.02.2020 in Hanau getöteten, ihren Angehörigen und allen von Rassismus Betroffenen schuldig, Rassismus, Diskriminierung und Hass entgegenzutreten. Wir müssen benennen, dass das drängendste Problem und die größte Gefahr in Deutschland nicht Migration, „kulturelle Durchmischung“ oder „Pull-Faktoren“ sind, sondern Rassismus.

Der TBB ist heute in Gedanken bei den Angehörigen und Freund:innen der Getöteten von 2020:

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov.

#saytheirnames

vier Personen stehen vor einem TBB-Logo mit schriftzug und lächeln in die Kamera. Von links nach rechts: Safter Çınar, Max Landero, Ayşe Demir und Orkan Özdemir

Max Landero, Staatssekretär für Integration, Antidiskriminierung und Vielfalt und Orkan Özdemir, Mitglied des Abgeordnetenhauses (SPD) sowie Sprecher für Antidiskriminierung, Integration und Kampf gegen Rechtsextremismus, zu Besuch beim TBB

vier Personen stehen vor einem TBB-Logo mit schriftzug und lächeln in die Kamera. Von links nach rechts: Safter Çınar, Max Landero, Ayşe Demir und Orkan Özdemir
Zwischen den Jahren zu Besuch beim TBB

Heute haben uns Max Landero, Staatssekretär für Integration, Antidiskriminierung und Vielfalt und Orkan Özdemir, Mitglied des Abgeordnetenhauses (SPD) und Sprecher für Antidiskriminierung, Integration und Kampf gegen Rechtsextremismus, besucht. Themen des Gespräches waren Partizipations- und Antidiskriminierungspolitik für 2024 und das geplante Landesdemokratiefördergesetz.

Eine Gruppe von sechzehn Menschen stet und sitzuz in zwei Reihen hinter einem Tisch. Alle lächeln in die Kamera

Auftakttreffen des Fachbeirats für die Fachstelle für Arbeitsmarkt und Antidiskriminierung (FAMAD)

Im ersten vollen Projektjahr der Fachstelle für Arbeitsmarkt und Antidiskriminierung, 2023, wurde von deren Team ein Fachbeirat ins Leben gerufen. Die konstituierende Auftaktsitzung fand am 15. Dezember 2023 in den Räumlichkeiten der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA) statt. Staatssekretär für Integration, Antidiskriminierung und Vielfalt Max Landero hielt zu diesem Anlass ein Grußwort.

Das Gremium ermöglicht einen fortlaufenden Austausch zwischen verschiedenen Arbeitsmarktakteur:innen sowie Organisationen aus der Berliner Antidiskriminierungsarbeit. Ziel ist es, Diskriminierung im Erwerbsarbeitsleben entgegenzuwirken und eine Kultur diskriminierungsfreier Erwerbsarbeit in Berlin zu fördern.

Die Mitglieder des Fachbeirats bringen ihre fachliche Expertise ein, um die Fachstelle in ihrer Arbeit zu beraten. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine fundierte und zielgerichtete Unterstützung bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Schaffung eines inklusiven und diskriminierungsfreien Arbeitsumfelds.

TBB zu Besuch beim Generalkonsul

Das Bild zeigt fünf Personaen. In der Mitte steht Okan Şanlı, der Generalkonsul der Republik Türkei in einem Anzug. Links und rechts von Ihm stehen vier Vertreter:innen des TBB.

Der TBB-Vorstand hat Ilker Okan Şanlı, den neuen Generalkonsul der Republik Türkei in Berlin besucht. Beim Gespräch wurde die langjährige Arbeit des TBB im partzipations- und migrationspolitischen Bereich vorgestellt. Ferner hat der TBB-Vorstand über seine aktuellen Projekte berichtet.

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Pressemitteilung: AGG-Reform Jetzt!

Der FDP-Minister Buschmann muss seine Hausaufgaben machen! Der TBB unterstützt Atamans Grundlagenpapier zur AGG-Reform und verurteilt die beschämenden Angriffe auf sie aufs Schärfste!

Der Türkische Bund Berlin Brandenburg (TBB) begrüßt es ausdrücklich, dass in die Debatte über die geplante AGG-Reform nun endlich etwas Bewegung kommt und das Thema eine breitere Öffentlichkeit erreicht. „Das haben wir dem Grundlagenpapier der Unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung zu verdanken, welches der TBB ausdrücklich unterstützt“, heißt es in der Erklärung des TBB.

In dem aktuellen Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP sei festgehalten, dass die AGG novelliert wird. Dort werde die Schließung der Schutzlücken, die Verbesserung des Rechtsschutzes sowie die Ausweitung des Anwendungsbereichs vereinbart, so der TBB.

„Die Gesetzesnovelle muss federführend von dem Bundesjustizminister Buschmann (FDP) ausgearbeitet werden. Das Bundesjustizministerium hüllt sich jedoch seit zwei Jahren beharrlich in Schweigen und verzögert den Prozess offensichtlich bewusst. Durchschaubar ist die Absicht, das Vorhaben, das der FDP ein Dorn im Auge ist, über die Legislaturperiode hinauszuzögern und damit zu begraben. Nun kommt das Grundlagenpapier von Ataman der FDP in die Quere. Der Aufschrei der Reformgegner ist nun laut, jedoch substanzlos.

Die Kritik an das Grundlagenpapier erinnere stark an die Diskussion im Vorfeld der Verabschiedung des AGG und sei nicht haltbar. An dieser Stelle seien nur zwei Aspekte herausgegriffen:

  • Die vorgeschlagene verstärkte Beweislasterleichterung ist keineswegs neu, sie wird in vergleichbaren Rechtsgebieten angewendet und absolut für einen effektiven Diskriminierungsschutz notwendig. Die Aufregung ist nicht verständlich, denn im Endeffekt entscheidet immer das Gericht. Im Übrigen gilt im AGG nicht die Unschuldsvermutung wie im Strafrecht. Dies scheinen manche Kritiker nicht zu wissen.
  • Auch die Kritik, die Novelle wird zur Erpressung Tür und Tor öffnen und einer Klagewelle führen ist nicht haltbar. Mit derselben Argumentation wurde auch die Verabschiedung des AGG lautstark kritisiert. Die Befürchtungen sind nie eingetreten. Vielmehr haben wir hier mit der Angst der Kritiker zu tun, dass ihr diskriminierendes Verhalten einfacher sanktioniert wird. Das Verbandsklagerecht und die Prozessstandschaft werden die Betroffenen entlasten und zu einem besseren Diskriminierungsschutz führen.

Die u.a. unsachgemäße und personalisierende Kritik hat zu einem beschämenden Shitstorm gegen die Reform und gegen Ataman persönlich geführt. Der TBB verurteilt das z.T. rassistische Verhalten vieler Reformgegner im Netz und spricht seine uneingeschränkte Solidarität mit Ferda Ataman aus.

Der TBB fordert die Bundesregierung, und dort insbesondere die SPD und Die Grünen auf, die AGG-Reform nicht zum üblichen Politspielchen verkommen zu lassen. Das Thema eignet sich nicht für Politdeals. Wir erwarten gerade von der SPD und den Grünen klare Kante zu zeigen und die Reform durchzusetzen. Das von der FDP geführte Justizministerium muss endlich seine Hausaufgaben machen und einen Gesetzentwurf zur Novelle des AGG vorlegen.

Die Zivilgesellschaft hat in einem Bündnis von etwa 100 Organisationen / Verbänden nach intensiven Diskussionen ihre detaillierten und begründeten Vorschläge zur AGG-Reform vorgelegt. Der TBB war Teil dieses Bündnisses. https://agg-reform.jetzt/

Nun ist endlich die Bundesregierung dran!

Der TBB führt seit 20 Jahren Antidiskriminierungsprojekte durch und ist eine der führenden zivilgesellschaftlichen Organisationen in diesem Feld. Die fachliche Stellungnahme und die Forderungen der Antidiskriminierungsprojekte des TBB zur AGG-Reform finden Sie unter diesem Link.