Rassismus ist in Deutschland weiterhin eine tief verwurzelte Realität – sei es im Alltag, in Institutionen oder in politischen Strukturen. Doch wie haben sich antirassistische Kämpfe im Laufe der Jahrzehnte verändert? Welche Erfolge wurden erzielt? Welchen neuen Herausforderungen sehen sich Aktivist:innen heute gegenüber? Wo stehen wir im Kampf gegen Rassismus – und wohin müssen wir gehen?
Am 18.03.2025 diskutierten Vertreter:innen Berliner Migrant:innenorganisationen, Aktivist:innen und Initiativen, die seit Jahrzehnten gegen rassistische Strukturen kämpfen, diese und weitere Fragen im Aquarium nahe des Kottbusser Tores im Rahmen eines Panels. Gemeinsam warfen sie einen Blick auf die Geschichte und Gegenwart des Antirassismus in Berlin und Deutschland.
Moderation: Bahar Şanlı (Nachbarschaftshaus Urbanstraße)Hamid Nowzari (Verein Iranischer Flüchtlinge e.V.)Tahir Della (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V. – ISD)Remzi Uyguner (Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e.V. – TBB)
Am 16. und 17. November 2024 trafen sich die Multiplikator:innen beider Standorte des Projekts „Nachhaltig informiert – Interkulturelles Netzwerk“ (NIIN) zum ersten Mal in Berlin. Nach einem Empfang am Samstag in den Räumlichkeiten des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB) e.V. begrüße Ayşe Demir (Projektleitung) die Anwesenden. Auf ihre Begrüßung folgte zunächst ein gemeinsames Resümee des bisherigen Projektverlaufs, bevor Tandems gebildet wurden, die aus Multiplikator:innen aus Berlin und Kiel bestanden.
Jeweils zwei Personen kamen in deren Rahmen miteinander ins Gespräch, um danach die jeweils andere Person in großer Runde vorzustellen. Hierbei ging es u.a. um die Frage, was einen an den bisherigen Workshops am meisten interessiert hat, wie es um den Verbraucher:innenschutz in den Herkunftsländern der Teilnehmenden bestellt ist und kurze Anekdoten zum Namen der Partner:innen. So lernten sich die Multiplikator:innen aus Berlin und Schleswig-Holstein besser kennen, bevor das Tagesprogramm gegen Mittag ein World-Café vorsah.
In diesem Format wurden im Anschluss an die Präsentation der Partner:inneninterviews vier der sechs bis Ende 2024 behandelten Themenfelder von NIIN in rotierenden Kleingruppen besprochen, bevor einzelne Gruppenmitglieder zentrale Ergebnisse im Plenum zur Debatte stellten. Anhand der beiden Fragen „Wie sieht die aktuelle Problemlage auf diesem Feld aus?“ und „Was sind die nachhaltigsten pragmatischen Lösungsansätze im Alltag für dieses Feld?“ ging es in einem ersten Schritt darum, anhand der bisherigen Inputs zu nachhaltiger Finanzplanung, nachhaltiger Haushaltsführung, nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Mobilität individuelle Gedanken auszutauschen. Im Vorfeld hatten die Multiplikator:innen vonseiten des NIIN-Teams über digitale Kanäle eine Liste mit Hyperlinks zu den Berichten, Audiomitschnitten und Videoclips der entsprechenden Veranstaltungen erhalten. Nun fertigten sie in einem zweiten Schritt Cluster an und notierten eigene Stichpunkte, um nach einer Stunde von ihnen konstellierte thematische Aspekte in großer Runde zu präsentieren.
Am Nachmittag gab es schließlich einen Workshop mit der Stadtplanerin Luise Flade, der neben nachhaltiger Stadtplanung vor allem Probleme der Mobilität im urbanen Raum behandelte. Der Workshop wechselte von Anfang an zwischen Inputs der Referentin und deren Diskussion mit allen Anwesenden, weshalb schnell eine lebhafte Stimmung aufkam. Besprochen wurden so u.a. die Entwicklung hin zu reduziertem Autoverkehr in den Innenstädten von Amsterdam und Paris, der sogenannte Modal Split (also wie prozentual verschiedene Verkehrsmittel benutzt werden) in Berlin und Kiel und die Auswirkungen des auf fossilen Brennstoffen beruhenden Verkehrs auf Umwelt und Klima. Anschließend führte uns Luise Flade über das Testfeld des Reallabors Radbahn zwischen Görlitzer Bahnhof und Kottbusser Tor.
Der zweite Tag des 1. Überregionalen Netzwerktreffens begann mit einer gemeinsamen Reflektion des World-Cafés und des Workshops vom Vortag. Beide Programmpunkte haben die Multiplikator:innen zu individuellem Nachdenken inspiriert und wurden nun aus verschiedenen Perspektiven und bzgl. diverser Bedarfe weitergedacht.
Hierauf folgte ein Ausblick auf die kommenden beiden Projektjahre, primär auf 2025, in dem die Multiplikator:innen damit beginnen werden, die in den bisherigen Workshops besprochenen Themen in selbst organisierten Informationsveranstaltungen für die eigenen Communities und Vereine aufzubereiten. Insgesamt fanden die Multiplikator:innen das Programm dieser Veranstaltung sehr ansprechend, wobei ebenfalls klar wurde, dass einzelne Fragestellungen auf mehr Resonanz stoßen als andere: Bspw. können die meisten mit Aspekten nachhaltiger Mobilität mehr anfangen als mit nachhaltiger Finanzplanung, was in lebensweltlichen und alltagspraktischen Bezügen begründet liegt.
Beschlossen wurde das 1. Überregionale Netzwerktreffen nach der Mittagspause mit einer Exkursion ins Futurium in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Dort führte uns Dr. Rosalina Babourkova vom Ausstellungsteam durch die Räumlichkeiten dieses „Hauses der Zukünfte“ und zeigte uns anhand mehrerer Exponate, wie wir als Verbraucher:innen durch nachhaltiges Handeln einen kleinen Einfluss auf Umwelt und Klima nehmen können. Am Ende verabschiedeten sich die schleswig-holsteinischen Multiplikator:innen und kehrten mit dem Zug nach Hause zurück. Wir freuen uns bereits jetzt auf das nächste überregionale Netzwerktreffen im Sommer 2025 in Kiel.
Am 15. Juni 2024 lud das Organisationsteam von Klimabotschafter:innen im Kiez (KliK) herzlich zu seinem abschließenden Fachtag ein, dessen Programm neben Vorträgen, Panels und einem Koch-Workshop auch die feierliche Übergabe der Teilnahmebescheinigungen an die Multiplikator:innen und die Präsentation einer Publikation mit Workshop- und Exkursionsberichten sowie Beiträgen der Teilnehmenden beinhaltete.
Ort: Miriam Makeba Saal der Berlin Global Village gGmbH, Am Sudhaus 2, 12053 Berlin-Neukölln.
Der Fachtag Klimabotschaften – Perspektiven und Skizzen war eine Veranstaltung des Projekts Klimabotschafter:innen im Kiez (KliK), in Trägerschaft des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg e.V. (TBB) und gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, in Kooperation mit moveGLOBAL e.V. Tagesmoderation: Sanaz Azimipour.
10:00
Begrüßung
10:30
Dr. Rosalina Babourkova (Futurium)
Stadtzukünfte
Vortrag und Q&A
11:15
Kaffeepause
11:30
Klimakrise und Alltagshandeln
World-Café
12:15
Jan-Micha Gamer (Kunst-Stoffe e.V.)
Plastik-lastig: Umweltgerechtigkeit, Kreislaufwirtschaft und Handlungsoptionen
Vortrag und Q&A
13:00
Torhaus Kollektiv e.V.
Nachhaltiges Kochen
Vortrag, Workshop + Mittagessen
15:00
Peter Emorinken-Donatus (Köln)
Dekoloniale und rassismuskritische Antworten auf die Klimakrise
Vortrag und Q&A
16:00
Welche Klimabotschaften wollen wir verkünden?
Panel mit den Multiplikator:innen
16:45
Kaffeepause
17:00
Übergabe der Teilnahmebescheinigungen an die Multiplikator:innen
Am Nachmittag trifft sich die KliK-Gruppe mit Sanaz Azimipour, die auf unserem Fachtag Klimabotschaften – Perspektiven und Skizzen am 15. Juni die Moderation übernehmen wird. Nach einer lockeren Vorstellungsrunde gehen wir gemeinsam das Programm durch und besprechen die Choreografie der Veranstaltung. Im Fokus des heutigen Netzwerktreffens stehen insbesondere die Timeslots, in denen die Multiplikator:innen eine zentrale Rolle spielen, also das World-Café zum Thema Klimakrise und Alltagshandeln, ein Panel mit dem Titel Welche Klimabotschaften wollen wir verkünden? und die feierliche Übergabe der Teilnahmebescheinigungen durch Britta Berendt, die Staatssekretärin für Klimaschutz und Umwelt.
Gemeinsam mit Sanaz freuen wir uns nun umso mehr auf unsere letzte Veranstaltung am 15. Juni im Miriam Makeba Saal der Berlin Global Village gGmbH und hoffen, dass irgendwann ein Nachfolgeprojekt an KliK anschließen wird, damit wir weiter der Frage nachgehen können, welche Möglichkeiten alltagspraktischen Handelns wir haben, um der drohenden Klimakatastrophe entgegenzuwirken.
Heute führt uns Sandra Völker, die für die Öffentlichkeitsarbeit der ALBA Berlin GmbH zuständig ist, über ein Gelände am Rand von Mahlsdorf, wo Papier- und Kunststoffmüll sortiert wird. Nachdem wir aus Sicherheitsgründen alle neongelbe Warnwesten angezogen haben, begeben wir uns in eine der Hallen, wo Unmengen an Plastik in atemberaubender Geschwindigkeit auf Fließbändern an uns vorbeirauschen. Vermittels modernster Technik werden hier unterschiedliche Kunststoffsorten, die von Berliner Bürger:innen in gelbe Tonnen geworfen wurden, voneinander getrennt und danach weiteren Recyclingprozessen zugeführt.
Später erzählt uns Frau Völker, dass die Sortierung an diesem Standort bis in die frühen 2000er Jahre noch manuell vonstatten ging, im Jahre 2004 dann aber automatisiert wurde. Leider trennen viele Menschen ihren Müll nicht richtig, so dass täglich fast 1/3 des hier anlaufenden Materials weder als Papier noch als Kunststoff wiederverwertet werden kann, sondern als Restmüll zu Verbrennungsanlagen weitertransportiert werden muss. Überall auf dem Gelände von ALBA in Mahlsdorf werden solche Pakete von riesigen LKWs verladen und wieder auf die Reise geschickt. Dank der Ausführungen unserer Exkursionsleiterin werden wir ab jetzt einen anderen Blick auf unsere privaten Mülltonnen werfen.
Zum zweiten Mal traf sich das Team des Projekts „Nachhaltig informiert – Interkulturelles Netzwerk“ (NIIN) in Berlin zu einer Klausurtagung. Themen waren u.a. der aktuelle Entwicklungsstand an beiden Standorten, bisherige und kommende Workshops, die Einpflegung der Berichte, Podcasts und Videoclips auf der Projektseite, die Jahresplanungen bis Ende 2026 und das nun für November 2024 angepeilte erste überregionale Netzwerktreffen mit den Multiplikator:innen aus Berlin und Schleswig-Holstein. In entspannter Atmosphäre besprach das Projektteam erneut das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Verbraucher:innenschutz.
NIIN wird gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Modul 3 – Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung
20.4.2024
Wir haben Glück mit dem Wetter heute. Pünktlich zu Beginn unserer Exkursion auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof in Neukölln, wo das Prinzessinengarten Kollektiv verortet ist, endet der Aprilregen und die Sonne zeigt sich wieder. Heute wird uns Silke Meyer von der Mellifera Regionalgruppe Berlin e.V. demonstrieren, was wesensgemäße Bienenhaltung bedeutet. Bevor wir uns mit Imkerschleiern an einen der Bienenkästen begeben, um dort zu sehen, wie das dortige Bienenvolk seine Waben baut, erklärt uns Silke, dass städtische Umgebungen günstig für Bienen sind, weil sie hier nicht der Gefahr von Pestiziden wie Glyphosat ausgesetzt sind. Um einen Holztisch versammelt erfahren wir von den vielen verschiedenen Bienenarten und lernen den Unterschied zwischen Königinnen, Drohnen und Arbeiterinnen kennen. Im Anschluss an Silkes Ausführungen folgt der praktische Teil des heutigen Tages, bei dem wir vom Summen der Bienen umgeben sind. Am Ende kosten wir deren Honig und essen auch Bienenbrot, das saurer als Honig, aber ebenso lecker schmeckt. Dann verabschieden wir uns mit einem Applaus für Silke.
Modul 6 – Verkehrswende und nachhaltige Mobilität
Nahe der S-Bahn-Station Yorckstraße, an einem stark von Autos frequentierten Ort in Schöneberg, befinden sich Räumlichkeiten, die vom Landesverband Nordost des Verkehrsclubs Deutschland e.V. (VCD) für seine Aktivitäten im Bereich des nachhaltigen Verkehrs genutzt werden. Dort kehren wir heute für unseren zwölften und letzten Workshop ein, um von Regine Wosnitza zu erfahren, wie unterschiedliche Facetten der Verkehrswende mit Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung zusammenhängen. Wir versammeln uns an einem Tisch, auf dem Regine Getränke, Kekse und Erdnüsse bereitgestellt hat. Der VCD setzt sich u.a. dafür ein, die Anzahl von Autos in unseren Städten zu reduzieren und öffentlichen Raum anders zu nutzen. Regine erklärt uns, dass öffentlicher Raum allen gehört und auf vielerlei Weise gestaltet werden könnte, aber leider von Autos dominiert wird, die ein Platzproblem mit sich bringen, ob sie nun fahren oder geparkt werden.
Als Beispiel für eine nachhaltige Umgestaltung von öffentlichem Raum nennt Regine die Bergmannstraße in Kreuzberg, die mit Beteiligung der Anwohner:innen in einem längeren Prozess für den Fußverkehr konzipiert wurde. Im Anschluss an ihre Ausführungen hierzu will Regine wissen, ob die Verkehrswende in unseren jeweiligen Communities ein Thema ist, woraufhin mehrere Teilnehmende des heutigen Workshops ihre Perspektiven in die Diskussion einbringen. Sallaheddin antwortet, er gehe eigentlich immer in der Stadt, auch längere Strecken, jeden Tag mehr als zehn Kilometer. Mustafa erzählt von seiner Fahrradgruppe am Wannsee. Marinette findet es schade, dass viele Menschen nur deshalb kein Auto fahren, weil sie sich keins leisten können.
Das nächste Thema des heutigen Nachmittags sind temporäre Spielstraßen. Sophie weiß, dass es sich hierbei um die zeitweise Sperrung von Straßen für Autos im Sommer handelt, die dann von Kindern zum Spielen genutzt werden können. Sie werden meistens von der jeweiligen Nachbarschaft initiiert. Marinette erinnert sich, während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres an der Umsetzung solcher temporären Spielstraßen in Neukölln mitgewirkt zu haben. Wie lassen sich temporäre Spielstraßen konkret organisieren? Hierzu brauche es zunächst eine Kooperationsvereinbarung mit dem jeweiligen Bezirk. Dann würden entsprechende Verkehrszeichen aufgestellt und im Vorfeld Infozettel mit Angaben zu Zeit und Ort an Autos angebracht. Jetzt zeigt uns Regine eine Karte, die alle regelmäßig realisierten temporären Spielstraßen in Berlin zeigt.
Im Anschluss erläutert uns die Workshopleiterin, worum es bei der Kidical Mass geht. Zunächst will Regine wissen, wer von uns Kinder oder Enkel hat. Daraufhin sagt sie, die Kidical Mass sei ein Demoformat speziell für Familien, in dessen Rahmen Eltern mit ihren Kindern auf Fahrrädern von der Polizei begleitet auf festgelegten Routen durch die Stadt radeln. Dadurch wird das Radfahren im öffentlichen Raum sichtbarer als im gewöhnlichen Alltag.
Als zwei weitere Beispiele zur nachhaltigen Mobilität nennt Regine nun die fLotte Berlin und den Parking Day. Die fLotte Berlin bietet an vielen Orten Berlins Lastenräder zum kostenlosen Verleih an, und das für bis zu drei Tage. Bei ihr handelt es sich um ein Projekt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (adfc), der hierfür mit Läden, Nachbarschaftszentren, Bibliotheken und anderen kooperiert. Neben Lastenrädern bietet die fLotte Berlin inzwischen im Programm fLotte-sozial auch Rikschas und Lastenräder an, auf denen Rollstühle transportiert werden können. So kommen mobilitätseingeschränkte Menschen in den Genuss von Ausfahrten. Beim weltweit jeweils am dritten Freitag im September stattfindenden Parking Day wiederum geht es darum, Parkplätze in etwas anderes zu verwandeln und dadurch öffentlichen Raum anders als gewöhnlich zu bewohnen. Regine will wissen, was wir tun würden, wenn wir einen Parkplatz mit 12 Quadratmeter Fläche nach unseren Vorstellungen bespielen könnten: Sallaheddin würde Flöte spielen und Tee kochen. Hoangh würde ebenfalls Tee kochen und dazu Kuchen backen. Vinh würde ein Zelt aufstellen, um darin mit Kindern zu spielen. Mustafa würde Picknick machen. Vinh würde musizieren. Sophie würde Liegestühle und Hängematten installieren und einen Film zeigen, wenn es dunkel wird. Rodrigue würde Sport machen. Marinette würde gemeinsam entspannen und Luft tanken. Elizabeth würde einen kleinen Flohmarkt veranstalten. Stefan würde grillen. Regine würde Federball spielen oder den Kicker-Tisch, der sich im Konferenzraum des VCD Nordost befindet, auf den Parkplatz stellen. Der letzte Block des heutigen Workshops ist der Frage gewidmet, wie sich öffentliche Plätze anders gestalten lassen. Diesbzgl. verweist Regine auf den kleinen Platz vor den Räumlichkeiten ihres Vereins. Dort hat der VCD Nordost eine Nachbarschaftsinitiative gestartet. In diesem Jahr wollen sie alle gemeinsam die großen Baumscheiben bepflanzen. Und sie wollen die BSR überzeugen, mehr Mülleimer aufzustellen. Elizabeth erinnert das an Bürger:inneninitiativen, die in manchen Nachbarschaften Blumen anpflanzen, um sie zu verschönern. Am Ende gehen wir dankbar und angeregt nach Hause.
Heute, am ersten Tag eines zweitägigen Streiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), treffen wir uns wieder online via Zoom, diesmal mit Stefan Rostock, dem Bereichsleiter Bildung für nachhaltige Entwicklung von Germanwatch e.V. in Bonn. Nachdem Sophie ihn vorgestellt und uns in das heutige Thema eingeführt hat, kündigt Stefan an, nach seinem Vortrag mit uns ins Gespräch kommen zu wollen. Er teilt seinen Bildschirm und zeigt uns unter der Überschrift Transformation gestalten lernen eine Gliederung, der er bei seinen Ausführungen zum von Germanwatch entwickelten Konzept des Handabdrucks folgen will. Zunächst möchte er über aktuelle Krisen und deren Herausforderungen für Transformation reden. Nach einem umweltpsychologischen Exkurs wird er dann auf das Programm Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE2030) der UNESCO zu sprechen kommen, um schließlich zu erläutern, wie ein ganzheitlicher Lehr- und Lernansatz mit der Idee des Germanwatch Handabdrucks korrespondiert.
Einleitend teilt er uns mit, dass Germanwatch eine 1991 gegründete NGO ist, die sich mit Umwelt-, Menschenrechts-, Bildungs- und Entwicklungsfragen befasst und an ihren beiden Standorten in Bonn und Berlin ca. 120 Mitarbeiter:innen hat. Ihr Motto lautet „Hinsehen – Analysieren – Einmischen“ und sie setzt sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt von Lebensgrundlagen ein. Finanziert wird sie durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, die Stiftung Zukunftsfähigkeit sowie Projektmittel. Ein wichtiges Ziel von Germanwatch ist es, durch andere Rahmensetzungen Deutschland zu mehr Nachhaltigkeit hin zu entwickeln.
Als aktuelle Krisen zählt Stefan die Ernährungskrise, die Gerechtigkeitskrise, die Demokratiekrise und die Biodiversitätskrise auf, die alle zu mehr Unsicherheit führen. Neben diesen Krisen finden jedoch ebenso bereits Transformationen statt. So steigt bspw. in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion. In umweltpsychologischer Hinsicht ist interessant, dass Menschen trotzdem nicht schnell genug auf die Klimakrise reagieren. Informationskampagnen allein reichen nicht, um das zu ändern. Wichtiger als reines Wissen ist dabei die Rolle von Gefühlen und Traditionen, die uns auf einer tieferen Ebene prägen. Daran anschließend thematisiert Stefan das UNESCO-Programm BNE2030, das gesellschaftlich implementiert werden und Strukturen und Institutionen nachhaltig verändern soll.
Der Hauptteil von Stefans Vortrag ist dem Motto „Engagement mit Hand und Fuß“ und dem Germanwatch Handabdruck gewidmet. Anders als der ökologische Fußabdruck, bei dem es um individuelles Verhalten geht, zielt das Konzept des Handabdrucks auf die Transformation von Strukturen, setzt also auf gesellschaftlicher Ebene an. Das Problem ist dann nicht, wie wir uns in unseren jeweiligen Alltagen als einzelne Personen verhalten, sondern wie wir durch andere Rahmensetzungen unsere Institutionen nachhaltiger gestalten können. Der ökologische Fußabdruck wird durch die individuelle Wahl von Stromanbietern, Konsum und Ernährung, Wohnen und zukunftsfähige Geldanlagen beeinflusst. Leider wächst er mit steigendem Einkommen. Der Germanwatch Handabdruck hingegen soll dazu beitragen, solche schiefen Ebenen auszugleichen und sozial verantwortliches Verhalten zu erleichtern, also vom Alltagshandeln ins politische Engagement zu kommen. Dazu ist es erforderlich, von Einzelentscheidungen zu Grundsatzentscheidungen und von einmaligen Aktivitäten zu anderen Rahmenbedingungen zu kommen. Diesbzgl. stellt Stefan den Handel-O-Mat vor, der auf der Seite von Germanwatch auch online zur Verfügung steht.
Jetzt behandelt Stefan die Frage, was wir jeweils tun können, um Strukturen und Institutionen nachhaltig zu verändern. In Kooperation mit Brot für die Welt hat Germanwatch die Internetseite www.handabdruck.eu erstellt, die als Ideenpool für Handabdrucks-Engagement dient und viele unterschiedliche Materialien enthält. Am Ende schließt unser Referent seinen Vortrag mit zwei Beispielen ab: Zum einen berichtet er von Schüler:innen einer Berliner Schule, die sich 2019 gegen die Nutzung von Flugzeugen im Rahmen von Sprachaustausch-Programmen ausgesprochen haben, zum anderen die Stadtwerke von St. Gallen. Diese hatten erfolglos versucht, grünen Strom zu verkaufen, bevor sie mit einer Universität kooperierten, die ihnen dazu riet, ihren Strom automatisch umzustellen und dabei den Kund:innen ein Widerspruchsrecht zu lassen, das jedoch nur wenige in Anspruch nahmen. Im zweiten Block des heutigen Workshops steht der Austausch zum Germanwatch Handabdruck zwischen allen Teilnehmenden im Vordergrund. Nachdem wir uns in kleineren Gruppen in Breakout-Räumen besprochen haben, präsentieren wir in großer Runde unsere jeweiligen Gedanken, bevor wir Stefan mit einem längeren Applaus für die sehr schöne Veranstaltung danken.
Modul 3 – Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung
7.12.2023
Während draußen die Reste des Schnees der letzten Tage tauen, treffen wir uns zum Abschluss des Jahres im Konferenzraum des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB) in Kreuzberg, um ein paar organisatorische Dinge zu besprechen und im Anschluss daran den Dokumentarfilm Unser täglich Brot (2005) des österreichischen Regisseurs Nikolaus Geyrhalter zu sichten und zu besprechen. Zur Begrüßung verteilt das Projektteam zunächst kleine Geschenke an die KliK-Gruppe, um sich bei den Mitgliedern für deren bisheriges Engagement zu bedanken. Im Anschluss daran gehen wir gemeinsam die Planungen für das kommende Jahr durch, in dem ab Februar zwei weitere Workshops und eine letzte Exkursion stattfinden sollen, bevor KliK am 15. Juni 2024 mit einem Fachtag abgeschlossen wird. In diesem Rahmen wird u.a. eine Broschüre vorgestellt werden, die neben den Berichten mit Soundcloud-Links aller Veranstaltungen auch Beiträge der Multiplikator:innen bspw. in Form von Skizzen und kurzen Texten enthalten soll. Sallaheddin hat bereits Drei Flöten-Soli für die Natur eingespielt, die wir uns zusammen anhören, bevor wir uns in der zweiten Hälfte des heutigen Treffens Geyrhalters filmischer Produktion widmen.
Unser täglich Brot handelt von industrieller Nahrungsmittelproduktion und zeigt in teils drastischen und nur schwer erträglichen Bildern, wie die maschinelle Ausbeutung von Tieren, Pflanzen und Böden eine Entfremdung menschlicher Arbeit mit sich bringt. Der Film kommt, von einer einzigen Dialogszene abgesehen, fast ohne Sprache und Off-Kommentare aus. Seine Bilder sprechen für sich: Wir sehen riesige Treibhäuser und schier endlose Felder der industriellen Landwirtschaft, aus denen massenweise monokulturell angebautes Obst und Gemüse extrahiert werden ebenso wie grausame Eindrücke aus Schlachthäusern, in denen im schnellen Takt der Fließbänder Tiere zu Fleisch verarbeitet werden. In der anschließenden Diskussion sind wir betreten und gehen zum Schluss eher traurig in die Winterpause, haben aber wieder viel gelernt, wie Marie Antoinette es bei unserer vorweihnachtlichen Verabschiedung formuliert.