KliK-Workshop 7: „Reparieren als ökologisch-soziale Praxis“

von Norbert Boenigk, Anya Geisthardt und Manuel Schröder

(NOCHMALL / Repair Café Reinickendorf)

11.5.2023

Modul 2 ­– Klimabewusster Haushalt / Modul 5 – Nachhaltiger Konsum

Jeden Donnerstag von 15:00 bis 19:30 findet in der NOCHMALL in Reinickendorf ein Repair Café statt, in dessen Rahmen sich Berliner Bürger*innen versammeln, um unter Anleitung sachkundiger Ehrenamtlicher defekte Haushaltsgeräte wie Lampen, Staubsauger oder Lautsprecher zu reparieren. Es gibt sowohl nationale als auch internationale Netzwerke, in denen sich Menschen organisieren, die sowohl aus ökologischen als auch aus sozialen Gründen weniger Dinge wegwerfen wollen, indem sie diese in einer gemeinsamen Praxis des von- und miteinander Lernens wieder in Stand setzen. Wer mehr über die Geschichte dieser Bewegung erfahren will, kann hier eine Open Access-Publikation dazu lesen, auf die uns Manuel Schröder im Vorfeld des heutigen Workshops hingewiesen hat.

Bevor wir ihn und Norbert Boenigk in der Werkstatt im 1. Stock treffen, um nach einer Einführung ins Thema durch Manu zusammen zu Schrauben und Norbert beim Löten über die Schulter zu schauen, treffen wir am Eingang der NOCHMALL Anya Geisthardt, die uns durch das erste Gebrauchtwarenkaufhaus Berlins führen und dessen Unterschiede zu Sozialkaufhäusern erklären wird. Zunächst gehen wir in die Warenannahme, wo Anya uns erzählt, dass hier täglich neben alten Möbeln acht große Kisten mit Kleidung, Medien und Elektrogeräten abgegeben werden, von denen allerdings jeweils zwei entsorgt werden müssen, weil sie sich leider nicht mehr aufbereiten und nochmals verkaufen lassen. In der Waschstraße wird der in der NOCHMALL abgegebene Hausrat gesäubert und für den Verkauf vorbereitet, wobei für Geschirr Einheitspreise von bspw. einem Euro pro Glas gelten. Rodrigue findet heraus, dass Ordner denselben Preis haben. Marie Antoinette findet eine alte ghanaische Maske, deren monetären Wert Anya auf 12-15 Euro schätzt. Jetzt führt sie uns am Textilbereich vorbei in den Elektronikbereich, wo alle Geräte, die in den Verkauf gehen, ein Prüfsiegel erhalten. Auf sie gibt es dann ein Jahr Garantie.

Nachdem wir ein altes Fahrrad passiert haben, erkundigen sich Elizabeth und Marinette nach Rabattaktionen für Vereine. Thanh will wissen, seit wann die NOCHMALL in Betrieb ist. Anya meint, die Ladenfläche sei im August 2020 eröffnet worden und würde bis 2027 vermittels einer Anschubfinanzierung durch die BSR unterstützt, müsse jedoch bis dahin schwarze Zahlen schreiben. Den größten Umsatz mache sie aktuell mit Möbeln. Jetzt gehen wir in die Spielwarenabteilung, wo wir erfahren, dass die NOCHMALL eine heterogene Kundschaft habe.

Im Anschluss besuchen wir die Textilabteilung, wo wir erneut über den Unterschied zwischen Gebraucht- und Sozialkaufhäusern sprechen und kurz an einem wiederaufbereiteten Holzschredder pausieren, um dann den Green Brands-Bereich zu betreten, wo höherpreisige Upcycling-Produkte angeboten werden, wie Thanh schnell bemerkt. Bisher haben wir uns im Erdgeschoss der NOCHMALL aufgehalten. Nun begeben wir uns in den 1. Stock. Zuvor entdeckt Sallaheddin am Treppenabsatz ein altes Klavier. Oben ist die Medienabteilung, in der sich neben Büchern auch CDs, DVDs und andere Datenträger befinden. Gegen Ende der Führung kehren wir im Café ein, wo Gemälde hängen, die wie manche der Möbel dort ebenfalls verkäufliche Produkte sind. Zuletzt führt uns Anya in die daneben liegende Werkstatt, wo das Repair Café situiert ist und unser heutiger Workshop mit Manu und Nobert stattfinden wird. Hier ist auch eine Bühne, auf der regelmäßig Auktionen stattfinden, wobei es die NOCHMALL während ihrer Eröffnung mitten in der Pandemie nicht einfach gehabt habe.

Nach einem Applaus für Anya übernehmen jetzt Manu und Norbert. Manus Einführung fokussiert die Verschränkung der ökologischen und sozialen Aspekte der Praxis des kollektiven Reparierens, darf jedoch leider nicht mitgeschnitten oder anderweitig dokumentiert werden. Während ein Teil der Gruppe noch seinen Worten lauscht, begibt sich ein anderer zu Norberts Arbeitstisch, wo er gerade eine Stehlampe repariert, die Stefan mitgebracht hat. Zwischendurch präsentiert ihm eine andere Teilnehmerin des heutigen Repair Cafés einen alten Laptop, dessen Bildschirm nur noch Streifen zeigt, was Norbert auf eine defekte Grafikkarte zurückführt. Sein Motto sei „Machen, nicht quatschen“. Vinh überreicht ihm einen französischen Mixer aus den 1960er Jahren, den er aufschraubt, um sein Inneres näher zu begutachten. Er selbst würde immer wieder Neues lernen, wenn er ein Gerät öffne und seine Funktionsweise analysiere. Auf Sophies Frage hin, was er besonders gerne repariere, antwortet Norbert, ihm graue es vor nichts. Nachdem auch Vinhs Gerät wieder läuft, wirft er wie alle anderen zuvor Geld in eine Spendenkasse. Mehrere Mitglieder der KliK-Gruppe sind nach dem heutigen Tag fest entschlossen, sich bald aktiv an Repair Cafés in ihren Kiezen zu beteiligen. Elizabeth bspw. will dort ihre Expertise mit Computerplatinen einbringen, da sie früher ganze Rechner eigenständig zusammengebaut habe. Der heutige Tag hat sich also gelohnt und wird weitere Effekte zeitigen.

NochMall Gebrauchtwarenkaufhaus | NochMall – Das Gebrauchtwarenkaufhaus der BSR




Exkursion 1: Die Ausstellung „Reparieren!“ im Deutschen Technikmuseum

22.4.2023

Modul 5 – Nachhaltiger Konsum

An einem sonnigen Samstag Nachmittag trifft sich die KliK-Gruppe im Deutschen Technikmuseum, um gemeinsam die Ausstellung Reparieren! zu besuchen, die dort vom 7.12.2022 bis zum 3.9.2023 zu sehen ist. In Vorbereitung auf einen unserer kommenden Workshops zum Thema regen uns die ausgestellten Objekte dazu an, uns erste Gedanken über den Zusammenhang zwischen kapitalistischer Produktionsweise, Wegwerfgesellschaften und Möglichkeiten der Müllvermeidung durch die Praxis des Reparierens zu machen. Viele Alltagsgegenstände, von Möbeln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten, müssen nicht unbedingt auf dem Müll landen. Sie lassen sich auch wiederaufbereiten, nachdem sie scheinbar kaputt gegangen sind.

Nach dem Besuch der Ausstellung im Deutschen Technikmuseum freuen wir uns nun umso mehr, bald praktischer ins Thema einzutauchen und im Rahmen des vor uns liegenden Workshops zu lernen, wie wir mit Hilfe einfacher Werkzeuge selbst Hand anlegen können, um durch die nachhaltige Reparatur von Waren nicht nur Müll zu vermeiden, sondern auch zusammen mit anderen in ehrenamtlichen Werkstätten tätig zu sein.

https://technikmuseum.berlin/ausstellungen/sonderausstellungen/reparieren/


KliK-Workshop 6: „Klimaschutz auf dem Teller – Potentiale nachhaltiger Ernährung“

von Janina Hielscher

(Domäne Dahlem)

18.4.2023

Modul 3 ­– Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung

Am Brunnen vor dem Herrenhaus treffen wir Antonia Isabelle Weisz von der Domäne Dahlem und Janina Hielscher, die den heutigen Workshop leiten wird. Das im 16. Jahrhundert erbaute Herrenhaus ist das älteste Wohnhaus Berlins, in dem sich heute ein Museum befindet. Antonia kündigt an, uns kurz über das Gelände zu den Feldern führen und etwas zur Entstehung der Domäne erzählen zu wollen, bevor Janina dann in den Ausstellungsräumen des Culinariums, einem sanierten Pferdestall aus dem 19. Jahrhundert, ihr Wissen mit uns teilen wird. Die Domäne Dahlem bietet Berliner*innen nicht nur die Möglichkeit, etwas über die Geschichte der Landwirtschaft zu lernen, sondern auch praktisch tätig zu werden, etwa im Rahmen einer jährlichen Kartoffelernte oder auf einer der Streuobstwiesen. Antonia betont, wie wichtig es gerade für Kinder und Jugendliche ist, Erfahrungen auf dem Land zu machen.

In den oberen Ausstellungsräumen des Culinariums erwartet uns später ein Halbkreis aus Stühlen. Als alle Platz genommen haben beginnt Janina, die in der Slow Food-Bewegung engagiert ist, mit ihrer Präsentation über die Potentiale nachhaltiger Ernährung. Nach einer kurzen Einführung ins Thema will sie wissen, wie wir uns ernähren. Ali meint, er koche gerne Gemüse. Stefan gesteht, zu viel Fleisch zu konsumieren. Rodrigue und Vinh essen alles, am liebsten aber Fisch. Sophie bevorzugt vegane und vegetarische Speisen. Thanh will mehr über gesunde Ernährung erfahren. Valentina erzählt uns, sie sei in einem sibirischen Dorf aufgewachsen, wo sie als junges Mädchen sogar Kühe gemolken und Brot gebacken habe. Elizabeth isst gerne international und liebt Obst. Marinette versucht, Fleisch zu vermeiden. Alle sind sich einig, dass Bio-Produkte anderen zu bevorzugen, aber leider oft zu teuer sind.

Im Anschluss meint Antonia, Debatten um nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung wären ergiebiger, wenn sie sich statt um Sündenböcke um die Frage drehen würden, was wir jeweils konkret im Alltag tun können. Ernährung ist etwas sehr Persönliches. Trotzdem sind Esskulturen in Treibhausgase verstrickt: Einer neuen Studie zufolge hängen 35% aller weltweiten Emissionen mit unserer Ernährung zusammen. Von diesen 35% wiederum gehen 60% auf tierische Lebensmittel zurück, v.a. auf Fleisch und Milchprodukte. Neben der Herstellung von Nahrungsmitteln verursachen deren Transportwege viel CO2, und zwar bis hin zu den Endverbraucher*innen. Regelmäßig mit dem Auto zum Biomarkt zu fahren sei also nicht unbedingt ökologisch besser als gar nicht dort einkaufen zu gehen. 

Um die Komplexität des heutigen Themas anschaulich zu machen, zeigt uns Janina einen kurzen Videoclip: Wenn Essen auf unsere Teller kommt, hat es oft schon einen weiten Weg hinter sich. Wie viel Treibhausgase freigesetzt werden, hängt auch von den Produktionsbedingungen unserer Nahrung ab. So werden etwa in Südamerika Wälder gerodet, um Soja anzupflanzen, das wiederum u.a. in Europa zur Mästung von Nutztieren dient. Am besten wäre es deshalb, den Konsum von Fleisch und Milchprodukten zu reduzieren. Da im Video auch von trocken gelegten Mooren die Rede war, erinnert sich Mustafa an unseren letzten Workshop. Janina sagt, ein Problem europäischer Agrarpolitik sei die Kopplung von Subventionen an die Größe von Feldern, wodurch die Monokulturen konventioneller Landwirtschaft begünstigt würden. Biologische Landwirtschaft komme mit kleineren Flächen aus, die sie jedoch immer wieder anders nutze. Pestizide tragen ebenfalls zur Emission von Treibhausgasen bei. Ein weiteres Problem sei der Wasserverbrauch von Wiederkäuern: Janina bittet uns darum zu schätzen, wie viel Liter Wasser für die Herstellung eines Kilos Rindfleisch benötigt werden. Alle liegen mit ihren Einschätzungen falsch und können nicht glauben, dass hierfür 15.000 Liter verbraucht werden. Nicht nur deshalb sei es gut, zumindest teilweise Fleisch durch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen zu ersetzen. Hilfreich sei insgesamt, mehr regional und saisonal zu essen und weniger wegzuwerfen. In Deutschland landen jedes Jahr pro Kopf 75 Kilo an Nahrungsmitteln in der Tonne, was zu vermeiden wäre.

Der nächste Teil des Workshops führt uns ins Erdgeschoss des Culinariums zu einer dort ausgestellten Kuh. Valentina schildert Marinette, die auf einem kleinen Holzschemel Platz genommen hat, wie diese gemolken werden sollte. Ein neben der Attrappe angebrachtes Hinweisschild informiert uns darüber, dass hochgezüchtete Kühe aktuell ein Vielfaches der Milch derjenigen zu Beginn des 20. Jahrhunderts liefern. Janina bedauert den schnellen Lebensstil vieler heutiger Menschen als eine der Ursachen für solche Phänomene. Nachdem wir uns auf mehreren Etagen individuell weitere Exponate angesehen haben, besuchen wir die Ausstellung im oberen Stockwerk, bevor wir abschließend über die Politik des Essens sprechen. Marinette findet die hohen Preise von Bioprodukten schade. Elizabeth und Valentina thematisieren zu große Einkäufe. Mustafa macht sich Sorgen über zukünftigen Wassermangel auch in Deutschland, hätte gerne mehr über die richtige Lagerung von Lebensmitteln erfahren und hält Ananas als reine Deko für eine ökologische Schande. Am Ende hofft Janina, dass mehr Menschen den Wert von Lebensmitteln verstehen und unnötigen Müll vermeiden.

Domäne Dahlem – Landgut und Museum (domaene-dahlem.de)




KliK-Workshop 5: „Klimaschutz im Ökowerk“

von Dr. Karin Drong

(Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V.)

18.3.2023

Modul 4 ­– Natur im Kiez 

Nach den Gefriertemperaturen der letzten Tage ist es heute plötzlich 18 Grad warm: Das perfekte Wetter für einen Ausflug zum Ökowerk am Teufelssee im Grunewald. Auf dem Gelände des ältesten noch erhaltenen Wasserwerks Berlins, das nach seiner Außerbetriebnahme vor über 50 Jahren vom Dampfmaschinenbetrieb in ein Naturschutzzentrum umgewandelt wurde, begrüßt uns Karin. Im Hintergrund hören wir einen Wassersprudler, über den wir später mehr erfahren werden. Karin führt Veranstaltungen durch, in deren Rahmen die Bürger*innen der Stadt etwas über die Ökologie des Teufelssees sowie des angrenzenden Teufelsmoores lernen können. Nachdem sie uns in die Programmatik des Ökowerks eingeführt und einen Workshop mit praktischen Elementen angekündigt hat, fragt sie uns nach unseren jeweiligen Zugängen zum Thema Klimawandel. Obwohl noch nicht alle ihren Weg ins Naturschutzzentrum gefunden haben, machen wir eine Vorstellungsrunde. Danach fasst Karin die Vereinsgeschichte ihrer Organisation zusammen und erzählt uns, dass ein wichtiges Anliegen des 1985 gegründeten Ökowerks darin besteht, die Pegelstände des Teufelssees und des ihn umgebenden Teufelsmoores zu halten, nachdem sie erstens von 1873 bis 1969 durch das Wasserwerk und zweitens aktuell mit der ungleich höheren Wasserentnahme der Brunnengalerie an der Havel und wohl auch mit dem Klimawandel gesunken sind. Damit geht der Versuch einher, die Habitate verschiedener Tierarten wiederherzustellen, die schon fast vollständig zerstört worden waren.

Karin meint, dass ein sinnliches Erleben ökologischer Zusammenhänge wichtig ist, um die eher abstrakte Klimakrise richtig einordnen zu können. Dieser Aufgabe widmen sich die bildungspolitischen Programme des Ökowerks. Dem Team liegt daran, dass nicht nur eher privilegierte Gesellschaftsschichten entsprechende Angebote wahrnehmen. Deswegen gibt es mit dem Leben im Großstadtdschungel (LiG) ein spezielles Angebot für Schulen mit besonderen Konditionen. Nachdem Karin uns vom Moor als Lebensraum für Amphibien und Insekten berichtet hat, beginnen wir mit der praktischen Übung des heutigen Nachmittags: Aus Lehm kneten wir Saatpralinen. Karin beklagt, dass die Erde, die heute bspw. in Blumencentern angeboten wird, Torf enthält, der Moorflächen entnommen wird, wo er bzgl. klimatischer Verhältnisse sogar mehr CO2, Methan und andere Treibhausgase binden kann als Bäume und Pflanzen. Mustafa findet das unglaublich und will bald mal die Moore hier besuchen. Marinette bemerkt, dass befeuchtete Lehmkugeln schnell trocknen, was ihren Transport erleichtert. Karin gesteht, nicht zu begreifen, warum Gärtner*innen Erde kaufen, obwohl ihre Aufgabe doch eher darin bestehen sollte, Erde zu machen.

Im Anschluss führt Karin uns zum nahegelegenen Sprudler. Dort teilt sie uns mit, dass dieser die Aufgabe hat, Eisen aus dem Grundwasser zu filtern und es in den Teufelssee zu pumpen, um ihn zu vernässen. Seit 1873 wurde auf dem Gelände des heutigen Ökowerks Grundwasser zu Tage befördert, um die Versorgung westlicher Teile Berlins mit dieser Ressource zu gewährleisten. Heute sei es wichtiger denn jemals zuvor, auch die Pegelstände der nahe gelegenen Moore als CO2-Speicher wenigstens zu halten, was wegen der kontinuierlichen Grundwasserabsenkung nicht leicht ist. Obwohl das Wasserwerk seine Tätigkeit dann schon längst eingestellt hatte, ist der Wasserverlust des Teufelssees  nach der Stillegung des Wasserwerks 1969 stärker vorangeschritten als jemals zuvor. Karin erzählt uns von den hiesigen Fröschen und Molchen. Sie erläutert, inwiefern Moore Lebensräume für Amphibien sind, die sich im Winter in sie eingraben und im Frühjahr offene Wasserflächen brauchen. Je nach Art stellen sie dann unterschiedliche Ansprüche an die Beschaffenheit der Uferzonen und an ihre Sommerquartiere.

Bevor wir uns in den unterirdischen Reinwasserspeicher begeben, sprechen wir über die vergangene Praxis, Stangeneis zum Kühlen von Lebensmitteln zu verwenden. Dann führt uns Karin in ein halliges Gewölbe, das dem Wasserwerk damals als Reinwasserbehälter diente. Es ist sehr kühl, eigentlich sogar kalt. Die Akustik dort unten ist beeindruckend. Sallaheddin bereut es, seine Querflöte zu Hause gelassen zu haben. Er würde sie gerne in diesem Raum spielen. Ali fallen kleine, hoch gelegene Fenster auf, hinter denen Dunkelheit liegt. Karin teilt uns mit, dass es drei solcher Gewölbe gibt. Vonseiten des Ökowerks bestehe der Plan, zumindest einen von ihnen bald als Eisspeicher zu nutzen. Wenn Wasser zum Gefrieren gebracht wird, entsteht Energie, fügt sie hinzu, bevor wir uns wieder die Treppe hinauf ins warme Tageslicht begeben. Oben angekommen fragt Karin, was wir noch sehen wollen, bevor das Ökowerk für heute schließt. Zubaida hat dessen Internetseite studiert und weiß, dass dies um 18:00 der Fall sein wird.

Wir entscheiden uns dazu, zunächst das Maschinenhaus zu besichtigen, um am Ende in den Sandfilter zu gehen, wo früher das vom Wasserwerk nach oben gepumpte Wasser gereinigt wurde. Im Maschinenhaus weist uns Karin darauf hin, dass hier vier alte Dampfmaschinen stehen, deren Betrieb ein älterer ihrer ehemaligen Kolleg*innen noch erlebt hätte, bevor sie vor rund einem halben Jahrhundert stillgestellt wurden. Eine davon ist ein Original der Firma Wöhlert aus dem Jahre 1871. Am Ende begeben wir uns in einen der ehemaligen vier Sandfilter, in dem großformatige Reproduktionen alter Fotographien vom Beginn des 20. Jahrhunderts an den Wänden hängen. Sie zeigen Männer, die mühsam Sand schaufeln, der als Filter für das mit dem Luftsauerstoff ausgefällte Eisen diente, um das Wasser zu reinigen, das anschließend in Berliner Haushalten verbraucht wurde.

Ökowerk – Ökowerk (oekowerk.de)




KliK-Workshop 4: „Mobilitätswende und gesellschaftlicher Wandel“

von Luise Flade und Simon Wöhr

(paper planes e.V. und Reallabor Radbahn e.V.)

20.2.2023

Modul 6 ­- Verkehrswende und nachhaltige Mobilität 

Es ist windig und regnet in Strömen. Am Himmel ziehen graue Wolkenfronten vorbei. An den Hinweisschildern zur Radbahn unter den Gleisen der U1 und U3 nahe Görlitzer Bahnhof treffen wir Luise. Zunächst führt sie uns durch das Testgelände der Radbahn in Richtung Kottbusser Tor, bevor ihr Kollege Simon uns in den Räumlichkeiten von Paper Planes und Reallabor Radbahn mehr über deren Aktivitäten erzählen wird. Luise will wissen, mit welchen Verkehrsmitteln wir angereist sind. Nachdem wir diese Frage beantwortet haben, meint sie, dass in Berlin mehr Leute Fahrrad fahren als im bundesdeutschen Durchschnitt und erklärt Details der geplanten Radbahn. Die Infrastruktur für Radfahrer*innen in Städten wie Amsterdam sei weiter entwickelt als in Berlin, weshalb sie in der Mobilitätswende eine Vorreiterrolle übernehmen.

Wir laufen in Richtung Kottbusser Tor. Dabei stellen wir fest, dass nicht nur überall geparkte Autos stehen, sondern Autofahrer*innen den Bereich unter der Bahntrasse auch nutzen, um den Stau auf der Skalitzer Straße links und rechts davon zu umgehen. Es ist Berufsverkehr. Wiederholt müssen wir Platz machen. Luise merkt an, dass die Radbahn ein Projekt des nationalen Städtebaus ist. Bald wird es zwischen Görlitzer Bahnhof und Kottbusser Tor eine mehrmonatige Testphase geben, während der die Strecke für Autos gesperrt und nur Radverkehr zulässig sein wird. Daneben sollen andere Dinge ausprobiert werden, etwa, ob es möglich ist, kanalisiertes Regenwasser für Büsche und Hecken auf beiden Seiten der Radbahn zu nutzen und welche Beleuchtungsarten sich im Praxistest bewähren.

Insgesamt beinhaltet das Radbahnprojekt nicht nur Ideen zur Verbesserung der Situation von Radfahrer*innen zwischen Oberbaumbrücke und Bahnhof Zoo. In Zusammenarbeit mit den Bewohner*innen unterschiedlicher Kieze soll es ebenfalls zu einer positiven Veränderung des Stadtraums insgesamt beitragen. Das Konzept der Radbahn beruht auf einem Partizipationsverfahren und findet in Kooperation bspw. mit Gewerben vor Ort statt. Vinh fällt auf, dass sich direkt neben uns eine Fahrradwerkstatt befindet. Er stellt sich vor, dass im Falle einer Realisierung der Radbahn weitere entsprechende Geschäfte entlang der Strecke geöffnet werden könnten. Luise ergänzt, dass auch gärtnerisches Wissen gebraucht würde, um die noch zu bauende Bahn über neun Kilometer hinweg zu begrünen. Zunächst seien jedoch eine Reihe von Hindernissen zu überwinden. So gilt es, u.a. Taubenlobbys, die in der Radbahn eine Bedrohung für die von ihnen geschützte Tierart sehen, von dem Vorhaben zu überzeugen.

Während wir die Strecke ablaufen, erzählt uns Valentina, dass sie sich lange mit dem Fahrrad durch die Stadt bewegt habe, dies aufgrund des aggressiven Fahrstils mancher Radler*innen in Berlin jedoch vor ein paar Jahren aufgegeben habe. Das findet Luise schade. Sie meint, dass sie selbst zwar gerne zügig Fahrrad fahre. Es sei jedoch ein Problem, dass im Straßenverkehr nicht ausreichend Rücksicht aufeinander genommen wird. Valentina fragt, wie sich das Problem der Straßenkreuzungen lösen ließe. Immerhin würde die geplante Radstrecke immer wieder von anderen, quer verlaufenden Strecken gekreuzt. Luise erwidert, dies sei eine Herausforderung, die sich durch neue Ampeln usw. bewältigen ließe.

Auf Luises Frage hin, welche Wünsche zur konkreten Gestaltung der Radbahn wir haben, macht Vinh den Vorschlag, zu beiden Seiten eine Schlemmermeile mit To-Go-Snacks und -Getränken zu etablieren. Später möchte Luise hören, was wir gerne auf und entlang der Strecke tun würden, um den Stadtraum anders zu nutzen. Sallaheddin denkt an Flohmärkte und Straßenfeste. Außerdem will er die Betonpfeiler unter der U-Bahn bunt bemalen. Valentina kommen Straßensketche in den Sinn. Luise ist sich sicher, dass immer Unerwartetes geschieht, wenn neue Räume entstehen. Sie sagt, dass es bereits vor der Eröffnung der temporären Teststrecke im Sommer am 1. April eine Feier geben soll, nach der die Radbahn für ein paar Wochen von einer Lichtinstallation beleuchtet sein wird. Außerdem sollen Podiumsdiskussionen stattfinden.

Nun brechen wir in Richtung der Räumlichkeiten von Reallabor Radbahn und Paper Planes in der Forster Straße auf. Auf dem Weg dorthin stoßen Bamba und Rodrigue zu uns. Es ist noch immer nasskalt und windig. Zum Glück hat es wenigstens aufgehört zu regnen. Im sogenannten Forsthaus begrüßt uns Simon. Er und Luise stellen Tee, Wasser und Säfte bereit. Wir nehmen an einem Konferenztisch Platz, auf dem ein uns zugewandter Flatscreen architektonische Skizzen zeigt. Dahinter beginnt Simon, seinen Vortrag zu weiteren Aspekten der geplanten Radbahn zu halten. Durch die darüber liegende Bahntrasse würden Radfahrer*innen vor Regen geschützt sein. Prägend für die Vision der Radbahn sei von Anfang an die Frage gewesen, was die Straße als öffentlicher Raum ist. Simon interessiert, was unser Eindruck wäre, wenn anstatt Autos Kühlschränke auf den Straßen geparkt würden. Alle lachen. Er erklärt uns, dass Autos streng genommen keine Fahr-, sondern Stehzeuge sind, da sie meistens geparkt und nicht bewegt würden. So gehe öffentlicher Raum verloren, der besser genutzt werden könne, etwa für nachbarschaftliche Tafeln. Sallaheddin rechnet uns vor, dass die weltweite Menge an Autos ausreiche, um den gesamten Planeten mehre Male zu umspannen.

Im Anschluss erläutert Simon, dass die auf die Charta von Athen (1933) folgende Segmentierung der Städte u.a. in Wohn- und Arbeitsviertel die Dominanz von Autos im öffentlichen Raum begünstigt habe. Gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und der Technischen Universität Berlin hat Paper Planes ein Buch veröffentlicht, in dem es um Alternativen zu dieser Tendenz geht: Im Manifest der freien Straße, das neben anderem Informationsmaterial auf dem Tisch vor uns ausliegt, sind entsprechende Gedanken formuliert worden. Der Verein will mit nachbarschaftlichen Initiativen zusammenarbeiten und die Bedarfe verschiedener Gesellschaftsschichten einbeziehen. So organisiert Paper Planes etwa Versammlungen und andere Events, um nebeneinander lebende Bürger*innen miteinander in Kontakt zu bringen und gemeinsam zu diskutieren, wie wir die Stadt bewohnen und uns in ihr bewegen wollen.

Den Abschluss des heutigen Workshops bildet eine offene Diskussionsrunde über die Inputs, die Luise und Simon uns gegeben haben. Stefan hofft auf eine Stärkung nachbarschaftlicher Netzwerke durch den Rückgang an Autos. Simon berichtet von einer Aktion, in deren Rahmen Tischtennisplatten auf gesperrten Parkplätzen vor den Vereinsräumen installiert wurden, die für ein paar Wochen nicht nur Kinder und Jugendliche zum Verweilen einluden.

Sophie unterstreicht, dass sich bereits durch wenige wegfallende Parkplätze viele neue Gestaltungsoptionen des Stadtraums auftun könnten. Irgendwann will Simon wissen, wer von uns ein Auto hat, was fast alle verneinen. Thanh gesteht, er fahre seit Kurzem wieder eines, was ihm ein schlechtes Gewissen bereitet, worauf Simon für Car Sharing plädiert. Als wir später die noch immer windige Stadt betreten, meinen wir, sie mit anderen Augen zu sehen.

Paper Planes e.V. / Reallabor Radbahn e.V.




KliK-Workshop 3: “Kolonialismus und Klimakrise”

von Dodo und Laura Bechert

19.1.2023

Modul 1 ­- Grundlagen 

Unser erster Workshop im neuen Jahr fand online via Zoom statt und wurde von zwei der drei Autor*innen einer Broschüre, die von der BUNDjugend herausgegeben wurde, geleitet. Er wurde zwar teilweise akustisch mitgeschnitten, das so entstandene Material darf jedoch nicht veröffentlicht werden. Der einleitende Teil der Präsentation von Dodo und Laura zur historischen Verschränkung von Kolonialismus und Klimakrise durfte nicht aufgezeichnet werden, wird hier aber kurz zusammengefasst. Zunächst erklärten die Workshopleiter*innen, dass der Klimawandel nicht erst, wie oft angenommen, mit der Industrialisierung begann, sondern mit der gewaltvollen Eroberung anderer Kontinente durch Europa seit Mitte des 15. Jahrhunderts. Beim europäischen Kolonialismus handelt es sich um ein sozio-ökologisches Welt- und Gesellschaftsbild, das unter anderem über Jahrhunderte hinweg zur Unterdrückung und/oder Vernichtung unzähliger Wissenssysteme sowie der Ausbeutung von Menschen und “Natur” führte. Rassismus als gesellschaftliches Ordnungsprinzip sprach kolonisierten Menschen dabei ihr Menschsein ab. Auch die Vorstellung einer Natur, die von Menschen losgelöst sei und als Ressource ausgebeutet wurde, hängt mit diesen gewaltsamen Prozessen zusammen.

Dodo und Laura verwiesen darauf, dass die heutigen globalen Machtstrukturen über Jahrhunderte hinweg im Zuge des europäischen Kolonialismus aufgebaut wurden. weiße Kolonisator*innen zogen ungeachtet bestehender Verhältnisse Grenzen und teilten so die Welt in Länder ein, wie wir sie heute kennen. Die ehemaligen Kolonien werden heute oft als Länder des Globalen Südens bezeichnet, da sie sich global betrachtet in einer wirtschaftlich und politisch benachteiligten Position befinden. Im Gegensatz dazu befinden sich Länder des Globalen Nordens bis heute durch Ausbeutung in einer privilegierten Position. In den Ländern des Globalen Nordens ist es bspw. selten gefährlich, sich gegen Klimazerstörung einzusetzen, während es in vielen Ländern des Globalen Südens lebensbedrohliche Risiken mit sich bringt. Diesbzgl. zeigte Laura mehrere Portraits von BIPoC, die den meisten Teilnehmenden zunächst unbekannt waren und erläuterte, dass sie in Nigeria, Honduras, Kolumbien und Ägypten im Kampf für Menschenrechte und gegen Umwelt- und Klimazerstörung entweder ihre Freiheit eingebüßt oder mit dem Leben bezahlt hätten.

Klimaschutz ist etwas anderes als Klimagerechtigkeit, so Laura. Während Klimaschutz oft bestimmte Privilegien erfordert und die vielen sozialen Facetten der Klimakrise ausblendet, fokussiert das Konzept der Klimagerechtigkeit die kolonialgeschichtlichen Aspekte von Umweltfragen, wie sie bspw. in den 2002 formulierten Bali Principles of Climate Justice enthalten sind. Dodo nahm diesen Faden auf und meinte, dass der aktuelle Klimawandel das Ergebnis kolonialer Ausbeutungsprozesse ist und als soziales Problem betrachtet werden muss, das sich nicht rein technisch, sondern nur politisch lösen lässt.

Um diesen Punkt zu verdeutlichen, präsentierte Dodo zwei Zitate nicht-weißer Aktivist*innen: Das von Daphne Frias las Valentina vor, das von Francia Márquez wurde von Sallaheddin vorgetragen. Daran anschließend betonten die beiden Workshopleiter*innen, dass Klimagerechtigkeit nur zu erreichen ist, wenn die Länder des heutigen Globalen Nordens Verantwortung für ihre kolonialgeschichtlichen Verbrechen übernehmen. Dies geht weit über Klimaschutz und den Glauben an E-Mobilität hinaus und erfordert, wie Laura ausführte, eine kritische Reflektion auf die eigene Positionierung v.a. weißer Menschen, die sich allzu oft als Retter*innen verstehen, ohne die gesellschaftlichen Dimensionen der Klimakrise zu erkennen. Danach tauschten wir uns in Breakout-Räumen und kleineren Gruppen zu der Frage aus, wie sich als Klimabotschafter*in das komplexe Problem der Klimagerechtigkeit behandeln lässt, was zwischen Ali, Sallaheddin und Stefan zu Debatten über Europa und den Rest der Welt führte, bevor die Breakout-Session beendet wurde und wir kurz Marie Antoinettes Erzählung über Deutschlands koloniale Spuren im heutigen Kamerun verfolgen konnten.

Die abschließende Diskussion mit allen wurde auf Wunsch der Workshopleiter*innen wieder nicht aufgezeichnet. Auf Lauras Frage hin, was in den jeweiligen Breakout-Räumen besprochen wurde, stellte Lidia fest, dass wir alle im Alltag etwas tun können, etwa durch die Vermeidung von Plastik. Umweltbewusstsein müsse in kleinen Schritten entwickelt werden. Bamba unterstrich die Bedeutung von Sensibilisierungsprozessen. Valentina merkte an, dass Klimaschutz vor der eigenen Tür beginnen müsse. Sallaheddin thematisierte das Zusammenspiel so unterschiedlicher Institutionen wie Schulen und Medien im Kontext der Umweltbildung. Marie Antoinette kritisierte, dass Klimaschutz letztlich nur ein Wort sei. In Kamerun hätten die Menschen mit anderen Problemen zu kämpfen als in Deutschland. Valentina berichtete vom wegschmelzenden Permafrost in Sibirien. Marinette beschrieb die Kooperation internationaler Konzerne mit korrupten Regierungen im Globalen Süden und forderte realisierbare Lösungen. Hierfür müssten die egoistischen Motive v.a. Europas zurückgenommen werden. Vinh sagte, es sei manchmal erforderlich, mit etwas anzufangen, ohne eine Orientierung zu haben. Er selbst weigere sich bspw., Kaffee-Kapseln zu kaufen. Rodrigue forderte, mehr Fahrrad zu fahren, um dem drohenden Klimakollaps individuell etwas entgegenzusetzen.

Am Ende boten Dodo und Laura eine Feedback-Runde an, in deren Rahmen Elizabeth den Wunsch äußerte, Workshops dialogischer zu gestalten. Insgesamt jedoch waren alle sehr zufrieden mit der Veranstaltung, die uns, wie Ali es beschrieb, ernsthaft zum weiteren Nachdenken inspiriert hat.

Broschüre „Kolonialismus & Klimakrise. 500 Jahre Widerstand“ von Laura Bechert, Dodo und Shaylı Kartal (Hrsg.)



KliK-Workshop 2: “Ökologische Stadtplanung”

von Dr. Rosalina Babourkova

(Futurium)

8.12.2022

Modul 1 ­- Grundlagen 

Nachdem wir die hinter einer imposanten Glasfassade gelegenen Innenräume des Futuriums betreten und unsere Jacken und Taschen in Schließfächern verstaut haben, begrüßt uns am Infopoint im geräumigen Foyer Dr. Rosalina Babourkova. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ausstellungsteam und hat bereits vor der Eröffnung des Museums für Zukünfte im Jahre 2019 an dessen Konzeption mitgewirkt. In ihrer Einleitung sagt sie, dass ihr Spezialgebiet nachhaltige Stadtentwicklung ist – ein Thema, um das sich auch viele Exponate hier drehen. Das Futurium ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das größtenteils durch öffentliche Gelder finanziert wird und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung angestoßen wurde. Ziel dieser Einrichtung ist es, Wissenschaft, Kultur, Politik und die zivile Öffentlichkeit zusammenzubringen, um gemeinsam und multiperspektivisch über Zukunftsfragen nachzudenken.

Rosalina führt uns eine Treppe hoch zu einem Tisch, auf dem Armbänder bereitliegen, mit denen die Besucher*innen mit manchen Exponaten interagieren können und die als Informationsschlüssel dienen. Nachdem wir alle ein solches Band an uns genommen und erfahren haben, dass die Ausstellungsräume des Futuriums entlang der drei Themenstränge „Natur“, „Technik“ und „Mensch“ kuratiert sind, beginnt Rosalina ihren Workshop im Bereich „Natur“ mit Ausführungen zu der Frage, wie auf dem Feld der Stadtplanung aktuell Anpassungen an die Klimakrise stattfinden. Weil damit zu rechnen ist, dass die Meeresspiegel in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen und regionale Überschwemmungsgefahren wachsen werden, sind Wissenschaftler*innen schon jetzt damit befasst, bspw. in New York künstliche Austernbänke zu errichten, die zugleich als Schutzwall gegen Wassermassen und der Fischerei dienen. Ebenfalls wird es zukünftig immer wichtiger werden, im urbanen Raum Nahrung zu produzieren. Diesbzgl. gibt es etwa in London Firmen, die in ehemaligen Luftschutzbunkern oder stillgelegten U-Bahnschächten unter der Erde Kräuter und Gemüse anbauen.

Anhand eines anderen Exponats erklärt Rosalina im Anschluss, dass auf dem Feld nachhaltigen Bauens nach Wegen gesucht wird, vom Beton zu anderen Materialien zu wechseln. Vor uns steht ein massiver Block, der Zement ähnelt, aber aus Pilzwurzeln besteht, die sich durch Abfälle gefressen haben und dann durch hohe Hitzeeinwirkung verfestigt wurden.

Anstatt Stahl ließe sich auch wieder Bambus als Trägermaterial für zukünftige Gebäude verwenden, erläutert Rosalina. Daraufhin bemerkt Sallahaddin, dass traditionelle Lehmbauten im Orient sehr viel ökologischer waren als diejenigen, die später aus Beton errichtet wurden. Valentina will mehr über Myzele erfahren, woraufhin Rosalina uns in den nächsten Raum geleitet.

Hier geht es um alternative Energien. Nicht nur aus Wind und Sonne lässt sich Energie gewinnen, sondern auch aus den Zersetzungsprozessen von Pilzkulturen, die sogar Gestein auflösen können. Wir befinden uns jetzt im Themenkomplex „Technik“. Im Hintergrund reden Roboter. An den Wänden zeigen Projektionen Bilder von Daten und Genen. Rosalina kündigt an, ihren Fokus hier auf das Thema Mobilität der Zukunft richten zu wollen. In einem weiteren Raum zeigt sie uns ein Spiel, bei dem es anhand der Frage „Findest du das gut oder schlecht?“ um die Ambivalenz neuer Technologien geht, die immer sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Auf jeden Fall müssten wir von Autos wegkommen. In Ländern wie Bolivien und Kolumbien kommen bereits Seilbahnen als öffentliche Verkehrsmittel zum Einsatz und sogar in Deutschland wird zu Flugtaxen geforscht. Am besten wäre es jedoch, insgesamt weniger mobil zu sein.

Unsere nächste Station ist dem Themenkomplex „Mensch“ zugeordnet. Rosalina erklärt in der weit auslaufenden Ausstellungshalle zunächst Grundprinzipien der solidarischen Landwirtschaft und weist darauf hin, dass es gerade in und um Berlin zahlreiche Projekte gibt, die sich der sozialen und nachhaltigen Nahrungsproduktion verschrieben haben. Insgesamt sei es wichtig, auch im Kontext der Ernährung Transportwege zu verkürzen. So können etwa auch Hausdächer in Großstädten für den Anbau von Gemüse verwendet werden. In einer kleinen Kammer sehen wir danach eine Berlinkarte. Auf ihr dürfen Besucher*innen ihre persönlichen Visionen und Wünsche bzgl. möglicher zukünftiger Entwicklungen der Bundeshauptstadt eintragen. Bevor wir uns in einem über der Ausstellungsfläche gelegenen Konferenzraum versammeln, um dort unser Netzwerktreffen abzuhalten, präsentiert Rosalina noch ein paar Ausführungen zu ökologischen Nebeneffekten des Konsums. An einer Wand im ersten Stock des Futuriums finden sich diesbzgl. Zettel mit Notizen von Besucher*innen, die hier aufgeschrieben haben, worauf sie in ihrem Konsumverhalten verzichten würden, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Der Workshop endet mit einer offenen Fragerunde, in der nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue Fragen aufgeworfen werden.

Futurium




KliK-Workshop 1: “Ökologie und Naturschutz in der Stadt”

von Ansgar Poloczek und Elisa Sievers

(NABU-Landesverband Berlin)

4.11.2022

Modul 4 ­- Natur im Kiez

Einer der Eingänge in den Bürgerpark Pankow führt durch den historischen Torbogen in der Wilhelm-Kuhr-Straße. Dort trafen wir rund eine Stunde vor Sonnenuntergang Ansgar Poloczek und Elisa Sievers vom NABU-Landesverband Berlin e.V., mit denen wir gemeinsam einen für alle lehrreichen Spaziergang machten, bevor uns die beiden in den Räumlichkeiten des NABU vor Ort in einem Doppelvortrag schilderten, wie wichtig Grünflächen im urbanen Raum sind – für Menschen ebenso wie für Tiere und Pflanzen sowie für ­­klimatische Verhältnisse insgesamt. Nachdem Ansgar erklärt hatte, dass versiegelte Flächen in Städten zukünftig mehr noch als bereits in der Gegenwart ein Problem darstellen, da bei extremen Wetterphänomenen durch sie kein Wasser ins Erdreich absickern kann, was die Gefahr heftiger Überschwemmungen noch erhöht, staunten alle, als er meinte, ein typischer Laubbaum verdunste zwischen 300-500 Liter Wasser am Tag. Der von Ansgar und Elisa eingeschlagene Pfad führte die Gruppe zunächst an zahlreichen Sträuchern wie der Berberitze vorbei und über mehrere den Bürgerpark durchziehende Gehwege zu einer Eibe. Während wir uns um sie versammelten, erläuterte Elisa, dass diese Pflanze zwar für Menschen giftig ist, ihre Beeren jedoch für Vögel ein wichtiges Nahrungsmittel darstellen.

Schließlich erreichten wir die Panke, an deren Ufern wir länger verweilten, um unter einem von der untergehenden Sonne in magisches Rot verwandelten Himmel zu erfahren, dass es sich bei ihr um einen künstlichen Fluss handelt, der innerhalb der Stadtgrenzen Berlins historisch kanalisiert wurde, seit vielen Jahren jedoch wieder renaturiert wird. Ansgar zeigte uns am Flussrand wild wucherndes Efeu und betonte dessen ökologische Bedeutung für Insekten und andere Tiere. Sogar Eichhörnchen würden ihre Nahrung zwischen Efeublättern verstecken. Während es langsam dunkler wurde und wir dem Flusslauf folgten, landete ein größerer Entenschwarm auf dem Wasser, was unsere Workshopleiter*innen zum Anlass nahmen, über deren geschlechtsspezifische anatomische Besonderheiten ins Gespräch zu kommen. So sind heimische weibliche Enten eher farblos, um sich in der Brutzeit zu verstecken, während heimische Erpel eher bunt sind, um besser balzen zu können, wie Lidia ihr Wissen mit uns teilte.

Schließlich erreichten wir einen am Boden liegenden Baum, der von der Zeit und vom Wetter angefressen war. Elisa löste mehrere Stücke morschen Holzes aus dessen Stamm, reichte sie in der Gruppe herum und meinte, sogenanntes Totholz sei gut für Ökosysteme, da sich alle möglichen Tier- und Pilzarten von ihm ernährten: So würde der Verfallsprozess einer Lebensform zur Bedingung der Entstehung neuen Lebens. In der Nähe dieses Schauplatzes befand sich eine Eiche. Ihr näherten wir uns im Anschluss, um von Ansgar zu erfahren, dass deren Wurzeln bis zu zehn Meter unter die Erdoberfläche reichen. In diesem Zusammenhang verwies Sallaheddin auf das Zusammenspiel von Baumwurzeln und Pilzen, das den Boden in ständiger Bewegung hält und die Grundlage auf ihm entstehender Organismen bildet. Die nächste Station, an der wir Halt machten, waren die Blumenbeete vor dem Pavillon des Bürgerparks. Hier informierte uns Elisa darüber, dass die gefüllten Blüten industriell produzierter Blumen ein ökologisches Problem darstellen, da sie wegen ihrer Überzüchtung keine Pollen enthalten, die von Bienen und anderen Insekten weiterverarbeitet werden könnten.

Als es schon dunkel war, erreichten wir einen alten Efeubusch, anhand dessen Ansgar den Unterschied zwischen den Blättern junger und alter Exemplare dieser Pflanze aufzeigte. Bevor wir in die Räumlichkeiten des NABU-Landesverbands Berlin einkehrten, passierten wir eine Linde, was Elisa zum Anlass nahm, der Gruppe mitzuteilen, inwiefern diese Baumart durch herzförmige Blätter und eine raue Rinde charakterisiert ist. Ansgar wiederum erspähte oben im Laubwerk eine Fledermaus, die im selben Moment vor aller Augen ihren Flug durch die nächtliche Stadt aufnahm. Für den zweiten Teil des Workshops nahmen wir an Tischen im Konferenzraum des NABU-Landesverbands Berlin Platz, wo Ansgar und Elisa im Rahmen ihres Doppelvortrags mit anschließendem Praxisteil über die Aufteilung des täglichen Wasserverbrauchs in Privathaushalten gemeinsam mit den Organisator*innen und den Multiplikator*innen von KliK das Thema „Ökologie und Naturschutz in der Stadt“ weiter vertieften. Unsere sehr angenehme Begegnung mit den beiden hat nicht nur in vielerlei Hinsicht für alle neues Erfahrungs- und Handlungswissen generiert, sondern auch wirklich Spaß gemacht. Jetzt freuen wir uns auf den kommenden Workshop im Futurium zum Thema „Ökologische Stadtplanung“ am 8.12.2022.

NABU-Landesverband Berlin e.V.




Auftakttreffen: Klimabotschafter*innen im Kiez (KliK)

27.10.2022

Nach der Begrüßung im Konferenzraum des TBB führten Stefan Hölscher (Projektleitung) und Anne-Sophie Rink (Projektkoordination) die Multiplikator*innen zunächst ins Projekt ein. Sie betonten das Anliegen von KliK, gemeinsam mit ihnen, Umweltverbänden und Forschungseinrichtungen im Stadtraum von Berlin lokale Lösungsansätze für die globale Klimakrise zu entwickeln und hierbei die konkreten Lebensrealitäten unterschiedlicher Bürger*innen und Communities zu berücksichtigen. Im Zentrum des auf zwei Jahre angelegten Projekts stehen die gemeinsame Generierung von nachhaltigem Erfahrungs- und Handlungswissen sowie die Entwicklung alltagspraktischer Lösungsansätze anhand der Frage „Was können wir tun?“. Die zwischen November 2022 und April 2024 geplanten Workshops mit anschließenden Netzwerktreffen orientieren sich thematisch an sechs Modulen:

  1. Grundlagen: Klimawandel, Klimaschutz, Klimagerechtigkeit
  2. Klimabewusster Haushalt (Energie, Müllentsorgung, Chemikalien)
  3. Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung (Permakultur, saisonale und regionale Lebensmittel)
  4. Natur im Kiez (urbane Auswirkungen des Klimawandels, Artenvielfalt, Urban Gardening)
  5. Nachhaltiger Konsum (Ressourcen sparen, Reparieren statt Wegwerfen, Fair Trade)
  6. Verkehrswende und nachhaltige Mobilität (öffentlicher Verkehr, Car- und Bike-Sharing)

Hölscher und Rink wiesen darauf hin, dass ihnen die Idee des mit- und voneinander Lernens besonders am Herzen liegt. Niemand „besitzt“ Wissen, sondern Wissen wird in praktischen Zusammenhängen ebenso hergestellt wie geteilt. Zwischen den insgesamt zwölf angedachten Workshops sollen die Multiplikator*innen das dort generierte Handlungs- und Erfahrungswissen in ihren Vereinen an die jeweiligen Communities weitergeben. Im Sommer 2024 wird es einen öffentlichen Fachtag geben, der einerseits auf Vorträgen und Panels von Expert*innen aus Umweltverbänden und Forschungseinrichtungen und andererseits auf Inputs der Multiplikator*innen basiert. Obwohl in den letzten Monaten bereits ein Pool an möglichen Kooperationspartner*innen von KliK erstellt wurde, sind die Organisator*innen des Projekts offen für Anregungen und Inputs vonseiten aller Mitwirkenden.

Im Anschluss an die Einführung gab es im Rahmen einer Vorstellungsrunde die Gelegenheit, sich untereinander vorzustellen und im Gespräch näher kennenzulernen. Folgende Fragen standen dabei im Vordergrund: „Wer bin ich? Aus welchem Vereinskontext komme ich? Warum nehme ich an KliK teil? Was erwarte ich von dem Projekt?“Danach verkündeten die Organisator*innen des Projekts, dass im ersten Quartal 2023 Visitenkarten erstellt werden sollen, die neben Namen und Kontaktdaten jeweils die Bezeichnung „Klimabotschafter*in“ in den jeweiligen Herkunftssprachen der Multiplikator*innen enthalten. So sollen die Mitwirkenden von KliK im kommenden Jahr dabei unterstützt werden, sich in ihren Vereinen und Communities als Ansprechpersonen für Klimathemen zu etablieren.

Außerdem wurde in der Runde besprochen, wie zukünftig mit Öffentlichkeitsarbeit zu verfahren sei und festgelegt, dass nach jedem erfolgten Workshop auf der Projektseite von KliK ein kurzer Bericht, der wichtige Inhalte und die jeweils destillierten alltagspraktischen Lösungsansätze bzgl. einzelner Module zusammenfasst, sowie eine Auswahl an Fotos und Audioaufnahmen veröffentlicht werden. Des Weiteren erklärten Hölscher und Rink, dass zukünftig auch die Multiplikator*innen von KliK mit kurzen Angaben zur Person, zum jeweiligen Vereinskontext sowie einem selbst gewählten (Portrait-)Foto auf der Projektseite sichtbar sein sollen.

Im letzten Teil des Auftakttreffens haben wir zwei Filmbeiträge zur Klimakrise gesichtet und uns darüber ausgetauscht. Zunächst stiegen wir mit Der Klimawandel hat längst begonnen (arte, 2020) auf globaler Ebene ins Thema ein, indem wir uns verschiedenen, geographisch spezifisch situierten, Perspektiven widmeten, um uns danach anhand von  Was hat der Kolonialismus mit der Klimakrise zu tun? (taz, 2020) eher lokalen Fragen und dem Zusammenhang ökologischer und gesellschaftspolitischer Probleme zu widmen. Bevor das Auftakttreffen von KliK in loser Runde ausklang, verwiesen die Organisator*innen noch auf einen im Internet abrufbaren Vortrag mit dem Titel Das Anthropozän und die Geschichte des Wissens von Jürgen Renn (ARD alpha, Campus Talks, 2022), der die in den kommenden zwölf Workshops behandelten Themenkomplexe und Module aus wissenschaftshistorischer Perspektive in den Blick nimmt.

Nachdem wir uns in lockerer Runde kennengelernt haben, freuen wir uns nun umso mehr auf den ersten Workshop beim NABU-Landesverband Berlin in Pankow sowie im dortigen Bürgerpark zum Thema „Ökologie und Naturschutz in der Stadt“ am 4.11.2022.



Die KliK-Gruppe

Sallaheddin Ali

Kurdisches Zentrum e.V.

Ich bin Sallaheddin Ali. Ich wurde am 18. Mai 1954 geboren und bin Rentner. Ich bin Kurde und komme aus dem Irak. Außerdem bin ich Musiker, Dichter und Dolmetscher. Ich bin Teil der Natur und deshalb gerne auch Klimabotschafter.


Valentina Dann

Club Dialog e.V.

Ich wurde in Sibirien in die Familie einer Russlanddeutschen und eines Ukrainers geboren. Berlin ist seit 28 Jahren meine Wahlheimat. Ich bin professionelle Märchen- und Geschichtenerzählerin, Bibliothekarin und Slawistin. Ehrenamtlich bin ich für den deutsch-russischen Verein Club Dialog e.V. in Berlin tätig.

Ich bin davon überzeugt, dass ein bewusster Umgang mit der Natur eine Erziehungsfrage ist. Mit dieser Art der Erziehung sollte meiner Ansicht nach früh begonnen werden. Ein respektvoller Umgang mit den Schätzen der Natur, mit Tieren und Pflanzen, mit dem Wasser und der Luft, mit allem was uns geschenkt wurde und zur Verfügung steht, muss Kindern stets vorgelebt werden. Menschen sollten früh lernen, behutsam zu sein. Erst dann entwickeln wir eine allgemeine Klimakultur, in der Fragen des Klimaschutzes für alle selbstverständlich sind. Deswegen bin ich Klimabotschafterin geworden.


Stefan Hölscher

Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e.V.

Ich bin Theaterwissenschaftler und nebenberuflich in kuratorischen Kontexten tätig. Hauptberuflich arbeite ich seit August 2022 für den TBB. Vor allem aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beschäftigt mich der Zusammenhang zwischen der aktuellen Klimakrise und europäischer Kolonialgeschichte. Neben solchen großen Problemen interessiere ich mich für die Frage, wie sich vermittels kleiner Gesten im alltäglichen Leben eine nachhaltige Praxis entwickeln lässt, die der Tatsache Rechnung trägt, dass alles mit allem verbunden ist und nichts ohne Auswirkungen für etwas anderes bleibt.


Lamin Jarju

Ich wurde am 24.12.1993 geboren und studiere Metallbau und Konstruktionstechnik in Berlin. Ich nehme am KliK-Projekt teil, weil ich möchte, dass wir gemeinsam Antworten auf die aktuelle Klimakrise finden. Diese Krise, die sich auf die Umwelt und auf die Gesundheit von Menschen und Tieren im Allgemeinen auswirkt, ist ein sehr wichtiges Problem, das es zu lösen gilt. Menschen sind Entscheidungsträger. Wir müssen wissen, wie wir uns und andere schützen und der Klimakrise ökologisch, politisch und sozial begegnen können. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir uns auf die Suche nach einem besseren Ort zum Leben als diesem Planeten machen müssen. Vor allem Diskussionen rund um soziale und globale Gerechtigkeit erfordern Professionalität: Hierbei geht es nicht nur um individuelle, situative oder kurzfristige Anpassungen, sondern um einen systemischen Wandel in lokalen und übergreifenden Verbänden. Wie kann das gelingen? Wie wollen wir in Zukunft schlauer werden, um dazu beizutragen, unsere geschwächte Umwelt zu stärken? Lasst uns gemeinsam solide Lösungen finden!


Ali Kamaleddine

Gibran Deutsch-Arabische Sprachschule e.V.

Ich heiße Ali Kamaleddine, wurde in Libanon geboren, habe an der FU Berlin studiert und bin Diplomkaufmann. Seit 2008 bin ich Leiter der Gemeinnützigen Gibran Deutsch-Arabischen Sprachschule. Das ist eine säkulare Samstagsschule für Kinder aller nationalen Zugehörigkeiten, wo ich Sprachunterricht in Arabisch gebe. Ich interessiere mich für Klimaschutz, damit unsere Kinder eine bessere Zukunft haben.


Bamba Kasongo

Foundation Bolingo e.V.

Ich bin Bamba Kasongo. Ich arbeite als Gesundheits- und Krankenpflegerin, komme aus der Demokratischen Republik Kongo und bin Klimabotschafterin.


Lidia Knop

Ora 34 e.V. / Polnischer Sozialrat e.V.

Ich bin Lidia Knop und komme aus Polen. Seit 1990 lebe ich in Berlin. Ich bin ehrenamtlich für die Ora 34 (Nachbarschaftshaus für interkulturelle Begegnung e.V.) und den Polnischen Sozialrat e.V tätig. Ich bin gerne Klimabotschafterin.


Nathalie Diane Moyo

Kamerun Kultur Verein e.V.

Ich komme aus Kamerun. Seit einem Jahr lebe ich in Berlin und mache eine Ausbildung als Pflegefachfrau. Es ist sehr traurig zu sehen, dass die Natur zu uns spricht und die Menschheit leider nicht zuhört. Wenn wir Schönes erreichen wollen, müssen wir etwas ausprobieren was wir noch nie getan haben, nicht nur für uns selbst, sondern vor allem für unsere Liebe zur Natur. Ich bin gerne Klimabotschafterin.


Thanh Huu Nguyen

Vietnamesisch-Deutsche Brücke e.V.

Ich bin Thanh Huu Nguyen, Jahrgang 1966. Ich komme aus Vietnam und lebe seit 1986 in Deutschland. Ich möchte mich für die Erhaltung des Klimas für die Nachwelt engagieren und möglichst viele andere Menschen für Fragen des Klimawandels sensibilisieren. Ich bin als ehrenamtliches Mitglied in der Vietnamesisch-Deutschen Brücke e.V. engagiert.


Marinette Mbacop Nya

Kamerun Kultur Verein e.V.

Ich bin Marinette Mbacop Nya. Ich komme aus Kamerun und bin im ersten Lehrjahr meiner Ausbildung als generalistische Pflegefachkraft. Ich interessiere mich für das Thema der Klimakrise, weil ich mich als Verbraucherin der Umwelt gegenüber verantwortlich zeigen will. Ohne Aktivist*innen zu sein, können wir alle unsere Welt auch als Verbraucher*innen verbessern, damit wir und zukünftige Generationen noch von diesem Planeten profitieren können. Ich denke, dass eine ökologische Änderung gerecht sein und wechselseitig zwischen verschiedenen geographischen Regionen ablaufen sollte.         


Stephanie Meier

Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e.V.

Die Klimakrise beeinflusst bereits jetzt negativ die Lebensrealitäten vieler Menschen in ökologischer, politischer und sozialer Hinsicht und verschärft die Fragen und Diskussionen rund um soziale und globale Gerechtigkeit. Es ist nicht allein die Frage nach individuellen, situativen oder kurzfristigen Anpassungen, sondern vielmehr nach einer systemischen Veränderung in lokalen und übergreifenden Verbänden. Wie kann diese gelingen? Wie wollen und können wir (in Zukunft) leben?

Ich habe Philosophie studiert und arbeite beim TBB als Projektassistenz.


Rodrigue Ngansop-Njampou

Kamerun Kultur Verein e.V.

Ich bin Rodrigue Ngansop-Njampou und mache seit August 2022 eine Ausbildung als Metallbautechniker. Ich interessiere mich für Klimaschutz, weil ich denke, dass die aktuelle Klimakrise die größte Herausforderung ist, vor der die Menschheit je stand.  Ich bin der Meinung, dass wir uns verpflichtet fühlen sollten, uns einer Situation zu stellen, in der wir gemeinsam handeln müssen, um das Ausmaß einer möglichen Katastrophe so weit wie möglich zu verringern. Jedes Zehntel Grad zählt. Wir können immer noch Dinge ändern.


Marie Antoinette Joelle Oldorff

Kamerun Kultur Verein e.V.

Ich bin Vorsitzende des 2009 gegründeten Vereins Kamerun Kultur e.V. Als Kinder der großen traditionellen Häuptlinge Bulu bringen wir Kindern und Erwachsenen die Kulturen Afrikas und ihre Rituale bei und lernen dabei auch die deutsche Kultur kennen. Ich bin interessiert am Zusammenhang der Klimakrise mit europäischer Kolonialgeschichte, die Afrika stark betrifft. Außerdem interessiere ich mich für die Frage, wie man im Alltag eine nachhaltige Praxis entwickeln kann, ohne dabei den afrikanischen Kontinent zu vergessen.

Denn alles ist miteinander verbunden und nichts bleibt ohne Folgen, vor allem für die Schwächsten, die nicht über die Mittel der Europäischen Union verfügen: Also u.a. für viele afrikanische Länder mit ihren trockenen, regenarmen Regionen, ihren versiegenden Flüssen, der Hungersnot, der viele Menschen zum Opfer fallen und den sich ausbreitenden Krankheiten.


Mohammad Samiullah Qahar

Yaar e.V.

Ich bin Mohammad Samiullah Qahar. Ich komme aus Afghanistan, wohne seit über einem Jahr in Berlin und besuche gerade einen Deutschkurs.


Elizabeth Ragwar

moveGLOBAL e.V. / Space2groW

Der Klimawandel ist nicht nur eine Umweltfrage, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Frage. Der Klimawandel betrifft marginalisierte Gemeinschaften überproportional und verschärft soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten. Daher werde ich als Klimabotschafterin von dem Wunsch angetrieben, Klimagerechtigkeit zu fördern und sicherzustellen, dass jeder die gleiche Chance hat, in einer nachhaltigen und widerstandsfähigen Welt zu leben.

Wir alle haben eine Verantwortung, zu handeln und zusammenzuarbeiten, um eine bessere Zukunft für uns selbst, zukünftige Generationen und den Planeten als Ganzes zu schaffen.


Anne-Sophie Rink

Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e.V.

Ich habe Politik- und Nahostwissenschaften studiert und arbeite seit Sommer 2022 in Teilzeit beim TBB. Außerdem organisiere ich Süd-Nord-Freiwilligendienste und mache politische Bildungsarbeit. Mich interessiert vor allem die Frage, wie globale und sozialgerechte Antworten auf die Klimakrise aussehen können und wie Klimagerechtigkeit auf lokaler Ebene umgesetzt werden kann. Meine Freizeit verbringe ich gerne auf dem Fahrrad oder im Grünen.


Hoang Oanh Röhrborn

Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg e.V.

Ich wurde 1985 geboren und komme aus Vietnam. Seit 2017 lebe ich in Berlin. Nachdem ich sechs Jahre hier lebe, habe ich einen guten Eindruck davon bekommen, wie die Deutschen ihre Umwelt schützen sowie Papier-, Glas- und Plastik-Recycling betreiben. Ich bin erfreut, Teil dieser Prozesse zu sein und würde gerne auch die Menschen in Vietnam aufklären, wenn ich die Chance habe, sie erneut zu besuchen. Zu Hause sensibilisiere ich meine Familie sowie meine Kolleg*innen bei der Arbeit, indem ich so viele  Dinge wie möglich recycle.  Indem ich an diesem Projekt teilnehme, gewinne ich ein tieferes Wissen über unseren Klimawandel, Recycling sowie die Lösungen, die wir finden können, um unsere Erde zu einem besseren Ort für uns und die kommenden Generationen zu machen. Als Mitarbeiterin einer der renommiertesten Organisationen für Bildung und Kultur aus Großbritannien kümmere ich mich sehr um die Umwelt. Deshalb engagiere ich mich als Klimabotschafterin.


Đào Quang Vinh

Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg e.V. / Vietnamesisch-Deutsche Brücke e.V.

Ich heiße Đào Quang Vinh und bin Jahrgang 1969. Ich komme aus Vietnam und lebe seit 1987 in Berlin. Durch meine Arbeit bei der job-konzept GmbH sowie diverse ehrenamtliche Tätigkeiten u.a. bei der Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg e.V. und der Vietnamesisch-Deutschen Brücke e.V. habe ich die Möglichkeit, meine Landsleute auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und sie dabei zu unterstützen, sich in Richtung eines bewusst klimafreundlichen Konsums zu orientieren. Wir haben nur eine Erde. Deshalb müssen wir unseren Planet schützen. Dafür setze ich mich ein!


Mustafa Yeni

Çorum-Der e.V.

Ich bin gelernter Betriebsschlosser. Meine berufliche Laufbahn begann im September 1979 bei der Firma Pierburg als Hilfsarbeiter. Nach vier Wochen wurde ich damals zum Maschinen-Einrichter befördert. Gleichzeitig bin ich in die Gewerkschaft eingetreten und wurde 1984 zum Betriebsrat gewählt. Seit November 2022 bin ich von der Arbeit freigestellt und in Altersteilzeit. Außerdem habe ich noch diverse Ehrenämter inne, u.a. als 2. Vorsitzender von Çorum-Der e.V., als ehrenamtlicher Referent der IG Metall, als ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg und im Vorstand des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg e.V. (TBB).